Reisebericht – Berlin in 3 Tagen

Berlin in 3 Tagen zu erleben ist nicht einfach. Es gibt so viel zu sehen, dass man auch problemlos 3 Wochen in Berlin verbringen könnte. Selbst die Einwohner Berlins kennen nicht jeden Winkel ihrer Stadt. Mit einer Fläche von fast 892 km² ist Berlin die flächengrößte Stadt Deutschlands. Auch die Zahl der Einwohner ist mit 4,5 Millionen deutschlandweit am größten und innerhalb der EU immerhin noch auf Platz 2 hinter London mit mehr als 8 Millionen Einwohnern.

Man kann in 3 Tagen also nicht alles sehen und nicht alles interessiert jeden. Anlass der Reise war, dass mein fast volljähriger Sohn Berlin noch nicht kennt und bisher auch noch keine Flugreise unternommen hatte. So buchte ich recht kurzfristig eine Reise in den Osterferien vom 02.04. bis 05.04.2013 bei Expedia. Im Vergleich zu einer Einzelbuchung von Flug und Hotel war das Komplettangebot deutlich günstiger. Gebucht wurde der Flug mit Air Berlin und die Unterbringung im 4-Sterne Hotel Pestana Tiergarten, welches sehr zentral südwestlich vom Tiergarten liegt. Mit der Linie 100 gelangt man so in wenigen Minuten zum Alexanderplatz, den Ausgangspunkt vieler Unternehmungen. Ein Frühstücksbuffet war im Preis inklusive, da wir gut gestärkt in den Tag starten wollten. Zusätzlich durfte natürlich die Berlin Welcome Card nicht fehlen. Für knapp 25 EUR kann man so 72 Stunden quer durch die A- und B-Zone fahren, was selbst für weit entfernte Ausflugsziele ausreichend ist.

Wirklich geplant hatten wir nicht viel, da wir spontan nach Wetterlage vor Ort entscheiden wollten, was wir unternehmen. Lediglich die Besichtigung der Kuppel des Deutschen Bundestages inkl. eines 45-Minütigen Vortrags hatte ich im Vorfeld gebucht. Spontanbesuche sind hier nicht möglich, da jeder Besucher mit Name und Adresse registriert wird und die Führungen und Besichtigungen organisiert werden müssen. Hier reicht es meist aus, einige Tage vorher zu reservieren. Eine Führung durch das Gebäude oder gar die Teilnahme an Plenarsitzungen bedürfen einer vorausschauenden Planung von einigen Monaten. Die nächsten freien Termine waren erst im September buchbar!

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Natürlich ist es klar, dass man einen Jugendlichen in den wenigsten Fällen für den Besuch von Schlössern, Kirchen, Museen oder Kunstausstellungen begeistern kann. Es sollte ja uns beiden Spaß bereiten. Wer hier also einen Reisebericht mit starkem kulturellen Hintergrund erwartet, sollte besser nicht weiterlesen. Auch das Berliner Nachtleben dürfte einigen zu kurz kommen. Es sollten einfach  3 spannende und interessante Tage werden, an die wir uns beide noch nach Jahren gerne zurück erinnern.

Meine Digitalkamera musste natürlich auch mit. Da es von den meisten Sehenswürdigkeiten bereits zahlreiche Bilder gibt, hatte ich mir vorgenommen, besonders ungewöhnliche Perspektiven zu wählen.

 

Anreisetag und Tag 1:

Am Anreisetag kamen wir gegen 21 Uhr im Hotel an. Das Pestana Tiergarten ist ein 4-Sterne Hotel und das merkt man nicht nur an den hervorragenden Kritiken diverser Bewertungsportale. Die Zimmer sind üppig ausgestattet bis hin zum großen Flachbildschirm. Selbst eine Bluetooth-Tastatur oder eine Docking Station fürs iPhone fehlen hier nicht.

Hotelzimmer

Daneben kann man über das hausinterne WLAN kostenlos surfen, so dass man am Abend in Ruhe die Ausflüge für den nächsten Tag planen kann. Bilder sprechen  mehr als 1000 Worte, also lasse ich einfach mal weitere Bilder sprechen:

Bevor wir uns schlafen legten, nutzen wir noch die späte Stunde, um mit der Linie 100 eine Abendrundfahrt zu unternehmen. Bei der Linie 100 handelt es sich um eine Linie, die mit Doppeldeckerbussen entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten verkehrt. So bekommt man einen ersten Eindruck von Berlin und einen Blick auf die Siegessäule, das Brandenburger Tor, das Reichstagsgebäude, Schloss Bellevue, etc. Einen Guide wie bei einer der zahlreichen Stadtrundfahren gibt es natürlich nicht. Abends ist der Bus fast leer und aufgrund der Beleuchtung kommen viele der Bauten besonders gut zur Geltung.

Der Hunger trieb uns dann in den Pizza Hut am Hauptbahnhof, wo die freundliche Bedienung trotz drohender Schließung extra für uns noch einmal den Ofen angeworfen hatte.

Am nächsten Tag durften wir das sehr leckere Frühstück im Hotel genießen. Es blieben keine Wünsche offen. Vom selbst geräucherten Lachs bis hin zum Honig aus eigenen Bienenstöcken war  alles vorhanden. So waren wir gestärkt für einen Tag voller Unternehmungen.

Mit der Linie 100 ging es erst einmal zum Alexanderplatz. Obwohl alle 5 Minuten ein Bus verkehrt, war er randvoll, hauptsächlich mit Touristen wie uns, die die Aussicht vom Oberdeck genießen wollten. An der Marienkirche stiegen wir aus und statteten der ältesten, noch genutzten Kirche Berlins einen kurzen Besuch ab. Gleich dahinter, nahe dem ehemals zu Ost-Berlin gehörenden Alexanderplatz, befindet sich der Fernsehturm, eine weitere Superlative.

Fernsehturm, ganz groß

Er ist mit 368 Metern das höchste Bauwerk Europas. Da wundert es nicht, wenn jeder Besucher mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform möchte. Da wir nicht vorgeplant hatten, war die lange Wartezeit für mich etwas überraschend.

Dank meiner Panasonic Lumix FZ150 mit schwenkbaren Display sind Selbstportraits kein Problem.

Tip!

Die Schlange Draußen ist lang, bezieht sich aber nur auf den Schalter für den Kartenbarverkauf. Wer die Schlange umgehen möchte, sollte nachsehen, ob drinnen nicht auch die beiden Kartenautomaten für EC-Karte offen sind. Hier muss man nicht so lange warten, bekommt aber keinen Rabatt mit der Welcome Card.

Den nutzen wir dann auch, weil mir die Ersparnis von 6 EUR keine 2 Stunden zusätzliche Wartezeit wert war. Nach Kauf der Karten dann der nächste Warteschock! Die Wartezeit zur Hochfahrt mit dem Lift betrug noch einmal zusätzliche 1 1/2 Stunden!

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Tip!

Man sollte den SMS-Service zur Benachrichtigung nutzen. So kann man die Zeit sinnvoller als im Warteraum des Fernsehturms verbringen.

Dieser Service funktioniert erstaunlich zuverlässig. So konnten wir uns den Alexanderplatz anschauen, dem man absolut nicht mehr ansieht, dass er einst zum Ostteil der Stadt gehörte. Zunächst bestaunten wir den beliebtesten Treffpunkt, die Urania-Weltzeituhr.

Alexanderplatz

Sie stellt symbolisch die Welt mit 148 Städten und den dazugehörigen Uhrzeiten dar. Im Anschluss besuchten wir das Alexa, eines der größten Einkaufszentren Berlins.

Alexa

Nach einer knappen Stunde bekam ich dann tatsächlich eine SMS, das die Wartezeit im Fernsehturm nur noch eine halbe Stunde beträgt. Wir ließen uns Zeit und kamen pünktlich zum Fernsehturm zurück, um dann auch gleich die 203 Meter mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform zu fahren. Die Sicherheitskontrollen waren etwas nervig und ähnlich der an einem Flughafen. Flüssigkeiten sind nicht erlaubt und mussten entsorgt oder ausgetrunken werden. Mit 6 m/s dauert die Fahrt nicht lange. Es gibt dort leider keine offene Plattform, man sieht die Dächer Berlins nur durch Glasscheiben. Zudem war es recht voll, so dass wir nicht allzu lange blieben. Wir hatten ja einen Termin um 15 Uhr zur Besichtigung der Reichstagskuppel.

Zur Sicherheit las ich das Bestätigungsschreiben noch einmal durch und stellte auf einmal fest, dass ich beim ersten Lesen etwas Wichtiges übersehen hatte. Man musste bereits 45 Minuten vorher dort sein!. Es war aber schon 14 Uhr! Hier zeigte sich, wie gut der öffentliche Nahverkehr in Berlin funktioniert. Wir flitzen schnell zur nächsten Haltestelle, wo auch schon ein Bus der Linie 100 auf uns wartete. So kamen wir genau um 14:10 am Reichstagsgebäude an.

Hier wurde penibel genau geprüft, wer angemeldet war. In einem Containerbau vor dem Reichstagsgebäude fand zunächst die Sicherheitskontrolle statt. Es galt, wieder die Taschen zu leeren und alles in Kisten zum Röntgen zu packen. Nach einer kurzen Wartezeit wurde unsere Besuchergruppe ins Gebäude geführt. Die Abgabe der Garderobe ist zwingend und danach hieß es wieder warten. Um 15 Uhr kam der Vortragende und wir durften uns auf die Besuchertribüne des Plenarsaals begeben.

Deutscher Bundestag

Der Vortrag selbst dauerte 45 Minuten und war sehr informativ. Man erfuhr etwas zur Sitzordnung, Geschichte des Reichstagsgebäudes und der Bauweise und Funktion der Kuppel. So z.B. wie Sitzungen protokolliert werden, wer wo sitzt, wann die Stühle umgebaut werden, die Geschichte des Gebäudes mit interessanten Hintergrundinfos, den Umzug nach Berlin, warum an der Kuppel so viele Spiegel angebracht sind, wie schwer der Bundestagsadler ist, etc. Besonders beeindruckt hat mich die Transparenz. Der Plenarsaal ist nach allen Seiten offen, an jeder Sitzung können Normalbürger teilnehmen und fest installierte Kameras übertragen direkt ins Fernsehen. So stelle ich mir gelebte Demokratie vor!

Nach dem Vortrag durften wir in Eigenregie die Kuppel erkunden.

Die Reichstagskuppel

Ein ca. 300 Meter langer, spiralförmiger Weg führt die Kuppel hinauf. Wer möchte, kann sich einen Audioguide ausleihen. Den gibt es sogar kindgerecht mit „Bernd das Brot“. Auch hier erfährt man wieder einiges über die Geschichte Berlins und auch die Kuppel selbst. Die vielen dort angebrachten Spiegel dienen z.B. dazu, den Plenarsaal zu erhellen.

Die Reichstagskuppel

Im Anschluss setzen wir unsere Tour zu Fuß fort. Da das Brandenburger Tor

Brandenburger Tor

und das Holocaust Denkmal

Holocaust Denkmal

direkt in der Nähe waren, gingen wir zunächst dorthin. In der Ebertstraße vor dem Brandenburger Tor kann man einen Teil des Mauerweges erkennen, der durch Kopfsteinpflasterelemente nachgebildet wurde.

Es war mittlerweile fast 18 Uhr und wir entschlossen, erst einmal ins Hotel zurückzugehen und unseren Füßen eine Pause zu gönnen.

Nach etwas Recherche im Netz besuchten wir den bekannten und mehrfach ausgezeichneten Schnellimbiss Dolores. Dort gibt es leckere Burritos, knackige Salate, schmackhafte Maischips und selbst gemachte Limonade. Der erste Eindruck erweckt lange Wartezeiten. Dem war jedoch nicht so und es dauerte keine 10 Minuten, als wir unsere Burritos und Maischips auf dem Tisch hatten. Schwerer ist es dagegen, im Restaurant einen Sitzplatz zu bekommen.

Nach einem schnellen Bier im Brauhaus Mitte waren wir so platt, dass wir im Anschluss ins Hotel fuhren.

Hier noch eine kleine Diashow mit weiteren Bildern:

Tag 2:

Auch hier war anfangs nur das erste Event geplant. Wir wollten uns unbedingt die East Side Gallery anschauen. Sie ist das längste noch erhaltene Mauerstück und befindet sich zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke. Nach der Öffnung der Mauer wurde sie auf ca. 1,3 km Länge von mehr als 100 Künstlern aus zahlreichen Ländern bemalt. Jeder Künstler hatte so seine eigene Interpretation der politischen Veränderungen nach der Wende zum Ausdruck gebracht. Leider fielen bereits einige Teile dieses schützenswerten Denkmals Bauprojekten zum Opfer. Erst kürzlich hatte ein übereifriger Bauunternehmer Teile entfernt, die er danach jedoch wieder einsetzen musste. Es kann also durchaus sein, dass es in absehbarer Zeit keine East Side Gallery mehr gibt. Ein Grund mehr,  dieses Denk- und Mahnmal bei einem Berlinurlaub zu besuchen.

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Wir fuhren mit der grünen U1 zum schlesischen Tor. Von dort bekommt man bei einem Blick über die Spree einen guten Eindruck von der Länge der East Side Gallery. Zur Rechten sieht man auch die Oberbaumbrücke. Diese Brücke wurde nach dem Mauerbau zunächst gesperrt, jedoch Anfang der 70er Jahre für Fußgänger als Grenzübergang geöffnet. Unser Weg führte uns über die Oberbaumbrücke, nach der man auch unmittelbar zur East Side Gallery gelangt. Aufgrund der Kälte und Ferienzeit war nicht wirklich viel los. Ein idealer Zeitpunkt für einige Selbstportraits als Beweis, dass wir auch wirklich dort waren.

Das Ende der Mauer befindet sich in der Nähe vom Ostbahnhof. Dort planten wir unsere nächste Unternehmung. Die Entscheidung fiel auf das Sony Center.

Es ging also weiter mit dem Bus zum Nollendorfplatz und von dort mit der U-Bahn zum Potsdamer Platz, wo sich u.a. auch das Sony Center befindet. Der Potsdamer Platz ist bekannt durch viele Superlative. Nach der Wende führte Roger Waters dort sein Konzert „The Wall“ auf, welches als größtes Rockkonzert überhaupt in die Geschichte einging. In den 90er Jahren befand sich auf dem Potsdamer Platz die größte Baustelle Europas. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Stattdessen ist der Platz „umstellt“ von zahlreichen Hochäusern wie der Bahn- oder Kollhoff-Tower und natürlich auch dem Sony Center.

Auf dem Weg zum Sony Center kommt man direkt am Boulevard der Stars vorbei. In Anlehnung an den Walk of Fame in Los Angeles werden auch hier Prominente mit einem Stern geehrt. So findet man dort Größen wir Mario Adorf oder Marlene Dietrich, aber auch Schauspieler der Neuzeit wie Til Schweiger. Schaut man durch eine der Spiegeltrickkameras, sieht man die Stars auf ihren Sternen stehend. Natürlich kann man sich auch dazu stellen, fotografieren lassen und den daheim gebliebenen erzählen, man hätte dort seinen Lieblingsschauspieler getroffen.

Das Sony Center ist ein Gebäudekomplex aus mehreren, neuen Häusern, dessen Kern jedoch aus den Überresten des alten Hotels Esplanade besteht. Der gesamte Komplex ist mit einem riesigen Zeltdach überzogen, was weltweit wohl einmalig ist. In einem der Gebäude befindet sich die Europazentrale von Sony. Diese besuchten wir natürlich auch und schauten uns an, was Sony Neues an Produkten zu bieten hat. Gleich gegenüber befindet sich auch das Filmuseum Berlin, welches wir aber nicht besuchten.

Meine erwachsene Tochter war letztes Jahr mit ihrer Freundin in Berlin und schwärmte von Dunkin‘ Donuts, eine große Schnellrestaurantkette, die aber in Deutschland wenig vertreten ist. Neben 25 Filialen in Berlin gibt es noch die ein oder andere Filiale in einigen deutschen Großstädten. Mittlerweile gibt es auch eine Filiale in Frankfurt und Darmstadt ist ebenfalls in der Planung. So besuchten wir natürlich auch den Dunkin‘ Donut im Sony Center. Dort gibt es Donuts mit allen möglichen Füllungen von süß bis herzhaft.

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Die Donuts schmecken wirklich lecker und so freue ich mich schon auf die erste Filialeröffnung in Darmstadt.

Da es uns Draußen langsam zu kalt wurde, entschieden wir, die folgenden Aktivitäten in geschlossene Räume zu verlagern. So führte uns der Weg im weiteren Tagesverlauf ins Technik Museum Berlin. Da wir nicht den Rest des Tages dort verbringen wollten, suchten wir uns einige Schwerpunkte heraus, die uns interessierten. Diese waren das Thema Schifffahrt, Luft- und Raumfahrt, Schienenverkehr und Energietechnik und dort speziell das Thema Windenergie. Letzteres fanden wir beide am besten aufbereitet. Es wurde gezeigt, wie eine Windkraftanlage funktioniert und auch das Thema Wind generell vorgestellt. Es gibt zahlreiche Exponate, von historischen Windmaschinen bis hin zu Teilen von neuen Windkraftanlagen, die deren Funktion gut veranschaulichen. Leider ist das Thema Straßenverkehr dort kaum oder gar nicht vertreten, so dass wir am nächsten Tag eine interessante Alternative fanden.

Nach gut 2 Stunden verließen wir das Museum und Draußen war es immer noch kalt. Was nun? Wir wollten weiterhin im Warmen bleiben und entschieden uns für das Kaufhaus des Westens als nächste Etappe. Im KaDeWe gibt es überwiegend Luxusartikel auf 7 Etagen und so kann man sich einmal die Dinge ansehen, die man sich sowieso nicht leisten kann oder nicht leisten will. Jedenfalls würde ich keine 700 EUR für eine Jeans oder 30.000 EUR für eine Uhr ausgeben. Der 7. Stock ist allerdings aus meiner Sicht der Interessanteste. Dort gibt es viele Leckereien zu sehen, zu riechen und zu kaufen. Egal ob Schinken, Bonbons, Wein, Schokolade, Gewürze, Fertiggerichte. Hier findet man alles, was das Feinschmeckerherz begehrt. So blieb die 7. Etage die einzige, wo wir auch gerne ein paar Euros ausgaben.

Nun brauchten wir wieder etwas Frischluft und statteten dem Gendarmenmarkt einen kurzen Besuch ab. Dieser Platz gilt als schönster Platz in Berlin und dem kann ich nur zustimmen. Im Gegensatz zum Potsdamer Platz oder Alexanderplatz gibt es hier keine Hochhäuser. Der Platz ist von historischen Bauten umrahmt wie dem französischen und deutschen Dom, sowie dem Konzerthaus. Es war kurz vor 18 Uhr und so hatten wir gerade noch Gelegenheit, uns den französischen Dom von innen anzuschauen und zum Turm hinaufzusteigen. Dieser ist bei weitem nicht so hoch wie der Fernsehturm, aber die Aussicht ist dennoch sehr schön. Um 18 Uhr ertönte das Glockenspiel der 60 Glocken, welches uns beim Abstieg begleitete.

Langsam meldete sich der große Hunger und ich erinnerte mich an meine „Schwägerin“, die mir den Verzehr einer Berliner Currywurst empfahl. Die wollten wir natürlich nicht irgendwo essen, sondern dort, wo sie am besten schmeckt. So fuhren wir mit der U-Bahn nach Kreuzberg und fanden auch schnell den wohl bekanntesten Imbiss, das Curry36, benannt nach der Hausnummer im Mehringdamm 36. Da es schon gegen 18:30 Uhr war, gab es einen entsprechenden Andrang. Die Abfertigung verlief aber sehr routiniert und so hielten wir nach wenigen Minuten unsere Doppelcurrywurst mit Pommes in Händen, während die Kunden in der deutlich längeren Schlange vor Mustafas Gemüsedöner, der ebenfalls stadtbekannt ist, immer noch auf ihr Essen warteten. Geschmacklich war die Currywurst perfekt und deutlich besser als das, was man hier vor Ort in Imbissbuden vorgesetzt bekommt. Allerdings hat mich die Currysauce selbst nicht unbedingt vom Hocker gehauen. Sie schmeckte nicht schlecht, aber eben auch nicht anders oder besser, als wenn ich sie selber mache.

Den doch langen und anstrengenden Tag wollten wir bei einigen Bierchen ausklingen lassen. Das musste nicht unbedingt in einer Kreuzberger Bar sein. So fanden wir ein gemütliches Café mit sehr gemischtem Publikum mit dem Namen Café Atlantic. Dort verbrachten wir noch einen netten Abend.

Die Bilder des dritten Tages in Kürze:

Tag 3:

Unser Flieger sollte um 20:30 Uhr abheben. So blieb noch genug Zeit, auch den 3. Tag sinnvoll zu nutzen. Ein Freund hatte mir den Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen empfohlen, da er dort schon mit seiner Schulklasse war. Nach einem kurzen Anruf erfuhr ich, dass man das ehemalige Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR auch ohne Voranmeldung spontan besuchen kann.

Da die Siegessäule auf dem Weg und nur wenige Gehminuten von unserem Hotel entfernt lag, wählten wir diese als unser erstes Ausflugsziel. Beim Ausschecken stellte ich erst einmal fest, dass ich eine der beiden Hotelkarten verloren hatte. Ich rechnete schon mit einer saftigen Strafgebühr, aber die nette Empfangsdame am Tresen lächelte mich nur an und meinte, dass mache überhaupt nichts. Die Rucksäcke waren heute etwas schwerer als sonst, da sie nun unser gesamtes Gepäck enthielten. Von weitem sieht die Siegessäule recht klein aus. Sie befindet sich mitten im Großen Tiergarten auf dem sog. Großen Stern, einem Hauptverkehrsknotenpunkt Berlins. Zunächst versuchten wir „dumme“ Touristen, den mehrspurigen Kreisel zu Fuß zu überqueren und wunderten uns, wieso es keine Fußgängerampeln gab. Erst nach einiger Suche fand ich den Eingang zu einem der Fußgängertunnel, durch die man zur Siegessäule gelangt.

Dass die Siegessäule gemäß ihrem Namen als Denkmal für gewonnene Kriege erbaut wurde, dürfte jedem bekannt sein. Was ich nicht wusste war, dass Hitler die Siegessäule aus strategischen Gründen auf diesen Platz umgelagert hatte und das die französischen Besatzungsmächte als Grund sahen, die Siegessäule komplett abzureißen. Zum Schluss mussten sich die Franzosen mit einigen Tafeln und Reliefs begnügen, die an erfolgreiche Kriege gegen Frankreich erinnerten.

Wie bei vielen Bauten, kann man auch die Aussichtsplattform der Siegessäule besichtigen. Durch die Lage im Großen Stern hat man so einen interessanten Blick auf die verschiedenen Straßenverläufe. Die Plattform ist allerdings recht klein und ausgerechnet, als wir oben ankamen, war auch eine Schulklasse anwesend, so dass es sehr eng wurde. Beachtlich ist auch die goldene Viktoria, die man im Volksmund gerne als „Goldelse“ bezeichnet. Sie ist mehr als 8 Meter hoch und wiegt 35 Tonnen, was von unten gesehen kaum vorstellbar ist. Bräuchte sie Schuhe, müsste man diese in Schuhgröße 90 anfertigen! Nach dem Abstieg schaute ich mir noch kurz im Eingangsbereich eine kleine Ausstellung zu Denkmälern an, wo auch Wissenswertes zur Geschichte der Siegessäule vermittelt wird.

Nun sollte es aber zur Gedenkstätte Hohenschönhausen gehen. Der Weg dorthin dauerte etwas länger und mit 2 Mal umsteigen waren wir nach gut 1 Stunde dort angekommen. Wir buchten eine Führung, die ca. 90 Minuten dauerte.

Tip!
Die Führungen finden zur vollen Stunde statt und für nicht angemeldete Einzelpersonen nur um 11 Uhr und 13 Uhr bzw. 15 Uhr.  Daher sollte man die Anreise auch so einplanen und sich zuvor über die Öffnungszeiten informieren.

Als wir ankamen, war es kurz vor 13 Uhr und wir mussten nicht lange warten. Zunächst wurde ein Film über die Geschichte der Haftanstalt gezeigt, der ca. 30 Minuten dauerte. Danach wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt. Es gab 3 Referenten, wovon sich zwei größerer Beliebtheit erfreuten, weil sie  ehemalige Insassen dieser Haftanstalt waren. So war es gar nicht so einfach, drei gleich große Gruppen hinzubekommen. Wir entschieden uns dann doch für die Gruppe mit dem Historiker, was wir nicht bereuen sollten.

Das Gefängnis selbst war ursprünglich gar kein Gefängnis, sondern eine Großküche. Erst 1951 fand der „Umbau“ zum Untersuchungsgefängnis statt. Aber schon vorher nutzten die russischen Besatzer das Gebäude als Lager für Gestapo- oder NSDAP-Mitglieder, aber auch für viele unschuldige „Staatsfeinde“. Diese mussten später ihr eigenes, unterirdisches Gefängnis, das sog. „U-Boot“ errichten. Die Häftlinge wurden auf grausamste Art und Weise gefoltert, psychisch z.B. durch Isolation und physisch durch z.B. Schlafentzug. Die Feuchtigkeit war so schlimm, dass sogar die Haare der Insassen schimmelten. Es gab „besondere“ Zellen, die so klein waren, dass man darin nur stehen konnte. Andere konnten mit Wasser befüllt werden, so dass ein Gefangener tagelang mit den Füßen im Wasser stehen musste, bis er todkrank wurde. Die Verhöre der sowjetischen Geheimpolizei fanden natürlich nachts statt und selbst Kinder waren dort inhaftiert. Daneben gab es auch eine Art Gummizelle, die den Gefangenen vorenthalten war, bei denen Selbstverletzung drohte. Diese Zelle ist extrem dunkel und man verlor dort jegliches Zeitgefühl. An einigen Stellen der Zellenverkleidung konnte man noch die Spuren von Markierungen durch Fingernägel erkennen, wo Gefangene die Anzahl der Mahlzeiten dokumentierten, um so nicht ganz das Zeitgefühl zu verlieren. Mehrere tausend Häftlinge starben aufgrund der grausamen Folter. Sie wurden in der näheren Umgebung einfach verscharrt.

In den 50er Jahren übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Kellergefängnis.

Anfang der 60er Jahre wurde es dann „humaner“. Die DDR wollte weltweit anerkannt und Mitglied der UNO werden. So gab es offiziell keine physische Folter mehr und es wurde von Insassen eines nahe gelegenen, geheimen Arbeitslagers ein neues Gefängnis gebaut. Es hatte mehr Vernehmungszimmer (120) als Zellen (100). Hier wurde dann „humaner“ gefoltert indem man z.B. alle 15 Minuten geweckt wurde, weil man nicht die korrekte Schlafhaltung eingenommen hatte. Isolation wurde groß geschrieben, so dass ein Gefangener nur Kontakt zu seinem persönlichen „Vernehmer“ hatte. Dies wurde auch als „Zersetzung“ bezeichnet. Das Gefängnis selbst war so geheim, dass selbst der Gefangenentransport dorthin Schleich- und Umwege fuhr, damit die Gefangenen keinen Rückschluss auf die Lage vornehmen konnten.  Die „Vernehmer“ hatten teilweise einen Doktortitel, den sie heute noch tragen dürfen, da dieser nur von der verleihenden Universität entzogen werden kann. Diese gibt es natürlich nicht mehr und an den Inhalt solcher Doktorarbeiten möchte ich gar nicht denken. Vor diesem Hintergrund sehe ich die medienwirksame Entziehung von Doktortiteln wegen Plagiatsvorwürfen bei einigen Politikern mit völlig anderen Augen.

Diese Fakten zu lesen ist eine Sache, es aber in direkter Umgebung zu erfahren, eine völlig andere. Es ist einfach unglaublich und beklemmend, nicht zuletzt auch durch den sehr fähigen Referenten, der seine Wortwahl gezielt auf die Vermittlung an Jugendliche angepasst hatte. So war diese Führung ein beeindruckendes Erlebnis und eine besondere, geschichtliche Lehrstunde, welche noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach so einer Führung fiel es uns natürlich schwer, an weitere Unternehmungen zu denken. Bis zum Abflug war es noch relativ lange und so überlegte ich, ob wir nicht doch noch ein Automuseum finden. Nach etwas Recherche mit dem Smartphone fand ich dann das Oldtimer Classic Remise, welches in keinem meiner Reiseführer erwähnt wurde. Es handelt sich dabei um ein weltweit einzigartiges Erlebnis- und Kompetenzzentrum auf einer Fläche von mehreren 1000 m². Hier kann man Oldtimer fachgerecht unterstellen oder instand setzen lassen, aber auch kaufen oder einfach nur anschauen.

Riesig, die Hallen

Daneben lassen sich dort auch Räumlichkeiten für alle möglichen Events anmieten. Sogar ein bekannter FDP-Politiker hat dort seinen 40 Jährigen Geburtstag mit dem gesamten Kabinett gefeiert. Der Eintritt ist frei und es darf nach Herzenslust fotografiert werden. Als wir die große Halle betraten, blieb uns erst einmal die Luft weg. Es waren wirklich zahllose Autos zu bestaunen, angefangen von einem unbezahlbaren Mercedes Roadster BJ 1936

bis hin zu einem fast neuwertigen Ferrari F12, der genauso viel kostet, wie ein bezahlbares Eigenheim im Rhein-Main Gebiet.

Oder wie wäre es mit dem Aston Martin David Brown aus dem neusten James Bond Skyfall?

Aston Martin - Bekannt aus Skyfall

Auch hier sprechen die Bilder meiner kleinen Diashow für sich.

Die Diashow des 3. Tages:

Eigentlich wollten wir noch die bunte Schokoladenwelt von Ritter Sport besuchen. Aufgrund der späten Stunde wäre es damit aber sehr knapp geworden. So fuhren wir gleich zum Flughafen und setzen uns noch eine Stunde ins Leysieffer, um eine Pasta zu verspeisen und ein Bier zu trinken. Ein schöner Abschluss einer kurzen Reise nach Berlin.

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