Erfahrungsbericht Sprachreise auf Malta bei der European School of English ESE in St. Julians Paceville – Teil 2 – Woche 1

Samstag, 5.9.2015 – Anreise

Hier gibt es gleich eine spannende Anekdote zu erzählen, wie ich mich zum Vollpfosten gemacht habe. Nachdem ich am Flughafen ankam, bummelte ich ein wenig am Terminal in den Geschäften. Ich hatte viel Zeit, da ich gut 2 Stunden dort war. Nach dem einchecken, bummelte ich weiter. Das Boarding sollte um 9:35 Uhr beginnen. Gegen 9:25 Uhr dachte ich mir, dass es langsam Zeit wird, sich zum Boarding ans Gate zu begeben. Dort war es aber relativ leer, was ich sehr ungewöhnlich fand. Also befragte ich die nette Dame am Schalter, die mir dann erklärte, dass 9:35 Uhr nicht die Boarding-Zeit war, sondern die ABFLUGZEIT!. Ich dachte, ich bin im falschen Film…schaute auf das Ticket und dort stand es schwarz auf weiß „Departure Time 9:35 Uhr“. Ohje…Flugzeug weg…Gepäck weg…was nun? Am Lufthansa Service Schalter durfte man Tickets ziehen. Mehr als 50 Leute waren vor mir und der nächste Flug sollte um 13:25 Uhr starten. Überhaupt…ich war total durch den Wind und malte mir schon aus, wie viel mich diese Dummheit kosten würde. Irgendwie kam ich ins Gespräch mit einem Inder, der auch wartete und die nächste Nummer hatte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich gerne seine Nummer hätte und auch bereit wäre, dafür zu zahlen. Der verstand aber wenig Englisch und ich kein Indisch und ich gab auf. Als seine Nummer aufgerufen wurde, drückte er mir seinen Zettel in die Hand und verschwand. Was war das denn? Egal…also ran an den Schalter und die nette Dame bekniet, mir zu helfen…die meinte dann, ob ich auch die Gate-Änderung mitbekommen hätte? Ja klar, hatte ich und sie wiederholte die Frage provokativ und meinte, wenn nicht wäre Kulanz drin und sie ginge mal davon aus, ich hätte das verpennt. Ich widersprach nicht und sie buchte den Flug um. Das kostete mich gerade mal 75 EUR samt Gepäckwechsel ins andere Flugzeug. Ich dachte nur, das Glück gehört den Dummen und freute mich 🙂

ch hatte mit Transfer gebucht und wurde von einem Minivan der Sprachschule abgeholt, die ich zuvor über meine um 4 Stunden verspätete Ankunft informiert hatte. Dort lernte ich dann schnell schon die ersten Schüler kennen. Da viele aus verschiedenen Ländern kamen, war ich schon von Anfang an gezwungen, die englische Sprache zu verwenden. Zunächst aber wurden wir alle für den Ausweis fotografiert, den wir immer bei uns tragen sollten, damit im Falle eines Unfalls die Zugehörigkeit sofort ersichtlich war.

Malta Ausflüge und Touren

Da ich samstags anreiste, konnte ich den ersten Tag erst einmal in Ruhe bei schönem Wetter genießen.

Ich war wie schon erwähnt bei der ESE untergebracht, direkt in St. Julians im Stadtteil Paceville, der für sein Nachtleben bekannt ist.

An der Stelle sollte man wissen, dass einige Orte in Malta einen maltesischen Namen besitzen. Diese stehen auch oft in Plänen und auf den Bussen. Hier mal einige Beispiele.

St. Julians – San Ġiljan

St. Paul’s Bay – San Pawl il-Baħar

Valletta – il-Belt Valletta

Das Zimmer in der Sprachschule bestand aus einem geräumigen Doppelzimmer in der 3. Etage der Schule.

tag1a003Die Unterrichtsräume befinden sich in der 1. und 2. Etage, das Café und die Rezeption in im Erdgeschoss. Den Standard der Zimmer würde ich mit guten 3 Sternen bezeichnen. Es ist sauber und frei von Ungeziefer. Die Klimaanlage funktionierte einwandfrei, was bei den Außentemperaturen wichtig ist. Nach dem Auspacken und Einräumen meiner Habseligkeiten, ging ich zunächst auf Erkundungstour in meiner näheren Umgebung.

In St. Julians flanierte ich erst einmal entlang der Portomaso Marina,tag1a004 ein kleiner, etwas tiefer liegender Yachthafen mit traumhaften Yachten, teuren Restaurants und einem herrlichen Blick auf das Wahrzeichen St. Julians, dem Portomaso Tower, dem einzigen Hochhaus Maltas.

tag1a005Das passende Bild dazu schoss ich an einem anderen Tag und ist daher weiter unten zu sehen 😉

Am Abend ist es an der Spinola Bay besonders schön, ebenfalls ein Hafen, jedoch größer und traditioneller als die Portomaso Marina.

Dort liegen viele kleine Fischerboote und baden kann man ebenfalls an einigen Stellen. Umgeben ist die Spinola Bay von zahlreichen, gemütlichen und guten Restaurants. Wenn man möchte und gut zu Fuß ist, kann man von dort aus entlang der Küste circa 10 km bis nach Valletta flanieren. Dazu später mehr.

Das Abendessen nahm ich im Restaurant Gululu auf der Terrasse im 2. Stock mit herrlichem Blick über die Spinola Bay ein.

tag1a009Hier empfehle ich Lampuki, ein traditioneller maltesischer Fisch, der nur zwischen Mitte August und Anfang Dezember gefischt werden darf.

tag1a008Ich bin der Meinung, dass es bei einer Reise auch dazu gehört, die traditionelle Küche zu probieren.

Später erkundete ich die Küstenstraße in Richtung Sliema, neben der sich auch ein kilometerlanger Fußweg erstreckt, von dem aus man immer wieder schöne Blicke auf Meer und Küste genießen kann. Bänke unter Palmen laden zum Sitzen ein. Zwischendrin immer wieder Imbissbuden, Restaurants und oft auch Marktstände. Natürlich ist hier immer was los. An diesem Abend fand ein Musikfestival statt, bei dem zahlreiche, bekannte Musiker auch Stücke aus Musicals spielten.

tag1a001Dazu gab es zahlreiche, einheimische Imbissbuden mit günstigen und leckeren Getränken und Speisen. Die Malteser lieben auch Feuerwerk. Immer wieder und über den ganzen Abend verteilt wurden Salven in die Luft geschossen und am Gehweg neben der Straße waren einige, gut bewachte „Installationen“ mit Lichteffekten aufgebaut, die wohl am kommenden Feiertag abgebrannt wurden. Ich schätze, der deutsche TÜV hätte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn er zu einer sicherheitstechnischen Beurteilung gerufen worden wäre.

tag1a010Gegen Mitternacht schaute ich mich natürlich noch in Paceville um. Hier gibt es zahlreiche nette Bars und Clubs mit akzeptablen Getränkepreisen und nettem Publikum. Da ich noch niemand kannte, kam ich mir etwas verloren vor und beließ es bei einem Kurzüberblick mit ein paar Bieren. Das entging auch den gut geschulten Anwerbedamen der Gentlemans Clubs nicht. Ich sage es gleich vorweg: Nicht reingehen, denn diese Clubs dienen nur dazu, den alleinstehenden Herren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Da ich mich gut im Vorfeld informiert hatte, konnte ich den teils attraktiven Damen gut widerstehen. Das Vergnügungsviertel liegt übrigens direkt neben der Schule und trotz doppelt verglaster Scheiben, ist die Geräuschkulisse nicht zu überhören. Mich störte das aber nicht und so hatte ich schon in der ersten Nacht einen erholsamen und langen Schlaf. Es sollte aber auch noch anders kommen…

Sonntag, 6.9.2015 – Ausflug nach Valletta

Nach dem Aufwachen fühlte ich mich fast schon, wie in einem „normalen“ Urlaub, ohne jedwede Verpflichtungen. Die Sonne schien, es war warm und südländisches Flair eröffnete sich mir beim Blick aus dem Fenster. Im Erdgeschoss der Sprachschule befindet sich ein großes Cafe, indem man das Frühstück einnehmen kann. Dieses ist in keiner Weise wirklich landestypisch. Überall Flachbildschirme mit Nachrichtenkanälen und das Frühstück natürlich nur „interkontinental“: Schinken, Käse, Salami, Toast und Weißbrot…Müsli gab es auch und wässrige Säfte und Kaffee aus dem Automaten. Naja, mehr hatte ich auch nicht erwartet. Dafür konnte man schön draußen sitzen und erste Kontakte zu Mitschülern knüpfen.

Dennoch verbrachte ich meinen ersten freien Tag noch alleine. Eine gute Möglichkeit, das Busnetz zu testen. Entgegen meinem Reiseführer gab es beim Busfahrer KEINE Tageskarten, nur Zeitkarten. Eine Zeitkarte kostet 2 EUR und gilt grundsätzlich für 2 Stunden, egal wo man hin möchte. Umsteigen ist kein Problem. Da St. Julians eine gute Anbindung besitzt, fahren viele Busse in alle möglichen Richtungen. Mein Ziel war Valletta, die Hauptstadt der Republik. Einen großen Plan hatte ich nicht. Mein Reiseführer war zwar im Gepäck, ich ließ mich aber einfach treiben und schaute mir an, was mir spontan gefiel. Vor den Toren Valletas befindet sich der große Busparkplatz, der ein Knotenpunkt zu allen Orten der Insel ist. Dort kann man auch alle möglichen Arten von Busfahrkarten erwerben. Das die Stadt früher als eine der sichersten Städte der Welt galt, ist schnell erkannt. Sie ist komplett von hohen Mauern und Bastionen umgeben und außer durch die offiziellen Zugänge, kaum zu erreichen. Das große, neue Stadttor des Star Architekten Renzo Piano gefällt mir allerdings nicht wirklich. Aber so etwas ist ja bekanntlich Geschmackssache. Wenn man dort hindurch geht, gelangt man in die breite Republic Street mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und historischen Gebäuden. Von dort (oben) zweigen zahlreiche kleine, schmale Straßen ab, die bis hinunter ans Meer führen und man taucht so schnell in das Leben der Einheimischen ein. Sehenswürdigkeiten gibt es so viele, dass ein Tag alleine nicht reicht, diese zu erkunden. Paläste, Kirchen, Museen, Grünanlagen, die Waterfront mit ihren beeindruckenden Kreuzfahrtschiffen und vieles mehr. Man muss einfach wieder kommen und sich nur ausgewählte Ziele anschauen, um Valletta richtig kennen zu lernen.

Trotz der teils schlechten Straßen, scheint es auf Malte viele Liebhaber amerikanischer Autos zu geben. Es gibt sogar einen Klub, den „Maltese American Auto Club“, der zufällig an diesem Sonntag seine Schätze mitten in der Fußgängerzone präsentierte, optisch wie auch akustisch. Das war für mich an diesem Tag die schönste Sehenswürdigkeit.

Essen kann man auf Malta oft wirklich zu Schnäppchenpreisen. Direkt in der Republic Street gibt es ein kleines Restaurant mit dem Namen Hugos Pub. Ein kleines Mittagsmenü mit Getränk bekam ich dort schon für 5 EUR. Daneben gibt es zahlreiche Imbissketten abseits von McDonalds und Co, die oft leckere Blätterteigspeisen anbieten. Für den Blätterteigburger in St. Julians zahlte ich gerade mal 50 Cent und war danach pappsatt.

Da ich leidenschaftlicher Läufer bin, nutzte ich die etwas kühleren Abendstunden für eine Laufrunde entlang der Küste bis Sliema und zurück. Dabei kommt man auf gut 9 km. Die Strecke scheint sehr beliebt zu sein, denn mir kamen ständig Läufer entgegen.

Montag, 7.9.2016 – 1. Schultag – Meine Einschulung

Ich geb’s zu, ich war doch ein wenig aufgeregt. Mein erster Schultag. Und das ganz ohne Schultüte und Nervennahrung in Form von Schokolade oder anderen Süßigkeiten. Da der Onlinetest schon Wochen vorher nicht funktionierte (Ich glaube, der hat noch nie funktioniert), mussten sich alle Schulanfänger im Kellergeschoss in einem großen Raum versammeln. Hier wurde ein Einstufungstest durchgeführt, bestehend aus 60 Fragen. Im Anschluss führten die Lehrer mit jedem Schüler ein kurzes Interview durch. Während meines Interviews bemerkte ich einige Unsicherheiten bei meinem Gegenüber und fragte mich, was da nicht stimmte. Das fand ich aber schnell heraus, denn als das Gespräch beendet war, gab die Lehrerin ihre Verwunderung über meine guten Sprachkenntnisse zum Ausdruck, die rein gar nicht zu meinen Testergebnis passen würden:

A1. Niedrigste Stufe. Spracheinsteiger. „Was? Das kann nicht sein!“. Ich solle erst mal in die Klasse gehen und nach einigen Tagen könne ich ja hochgestuft werden. Mit mir nicht, ich legte Protest ein und die Dame verschwand kurz, kam wieder und meinte dann, die Testergebnisse seien vertauscht worden. B2 war das neue Ergebnis. Yep…das stimmte genau mit meiner Selbsteinschätzung überein. Nach Übergabe der Klassenzuordnung, durfte ich mich auf den Weg in meine Vormittagsklasse machen. Diese bestand aus 2 Blöcken mit jeweils 90 Minuten. Dazwischen gab es natürlich reichlich Pausen. Da am kommenden Tag ein nationaler Feiertag sein sollte, wurden die Unterrichts- und Pausenzeiten angepasst, um den dadurch fehlenden Stoff wieder aufzuholen.

Der Unterricht fand in einer Klasse mit etwa 8 Schülern statt. „Etwa“ deswegen, weil der Unterricht anhand eines Arbeitsbuches durchgeführt wird. Schüler kommen und gehen, auch unter der Woche, aus verschiedenen Gründen. Manche wechseln den Kurs, wenn er zu leicht oder zu schwer ist, andere beenden ihren Aufenthalt. So sieht man fast täglich neue Gesichter. Deswegen bekommt man auch keinen Unterricht, der mit dem 1. Kapitel im Buch beginnt. Der Unterricht „beginnt“ für einen Schüler also irgendwo mitten drin, bei mir beispielsweise mit Unit 4. Zwei Wochen reichen dann natürlich auch nur für einige Kapitel und kein ganzes Buch. In meiner Klasse waren Schüler, die nur 2 Wochen blieben, wie ich, und andere, die gleich ein halbes Jahr auf Malta verweilten. Die meisten Schüler waren um circa Anfang 20, ich war also schon eher ein Senior. Es gibt auch spezielle Sprachschulen für Menschen ab 40, aber ich mochte es lieber so, was ich auch nie bereut habe.

Damit sich die Schüler besser kennen lernen und man etwas von der Insel sieht, gibt es ein Programm, das aber nicht bindend ist. Am Anfang der Woche findet ein Kennenlernabend statt, bei dem man mit einem der Mitarbeiter das Nachtleben von Paceville erkundet, Ausgang offen. Es gibt einen Orientation-Walk, um die nähere Umgebung zu erkunden mit Tipps zum Einkaufen oder Essen. Daneben finden zahlreiche Ausflüge statt nach Valletta, Comino oder Gozo, die zum Teil auch kostenlos, aber selbst wenn nicht, sehr günstig sind und vor allem immer unter fachkundiger Führung stattfinden. Egal, wonach einem Sinn der steht. Kultur, Baden, Sightseeing. Es ist für jeden etwas dabei. Dazu später mehr.

Natürlich ist eine Sprachschule nur etwas für tolerante Menschen. In meiner Klasse waren Pakistaner, Kurden, Türken, Holländer, Belgier, Schweizer, Japaner, Chinesen und natürlich auch Deutsche. So kommt man nicht umhin, permanent die englische Sprache zu benutzen. Selbst bei gemeinsamen, deutschen Sprachverständnis, wie es bei Deutschen und Schweizern gegeben ist, bemühten wir uns, auch aus Höflichkeit gegenüber den Mitschülern, die unsere Sprache nicht verstehen, die englische Sprache zu verwenden.

Die Lehrer machen ihren Job überwiegend neben ihrem Studium, einige aber auch hauptberuflich. Auch das erweitert den Horizont. Es macht nämlich schon einen Unterschied, ob man von einer Psychologiestudentin oder einer Jurastudentin unterrichtet wird. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Sarah, die Lehrerin der Vormittagsklasse, die ihren Job hauptberuflich macht und immer mit Humor und Herzlichkeit Stimmung in die Klasse gebracht hat. Die Zeit verging wie im Flug und der Lernerfolg war hoch.

Genug von Schule. 14:30 Uhr. Feierabend. Da der Folgetag ein Feiertag war, mussten wir den teilweise raus arbeiten, so dass in dieser Woche der Unterricht etwas länger dauerte. Heute hatte ich keine Lust auf einen großen Ausflug und blieb in St. Julians, nicht ohne abends wieder mit ein paar Studenten durch Paceville zu streifen und ein paar Bier in diversen Clubs und Bars zu trinken.

Zuvor absolvierte ich aber wieder einen Lauf. Dieses Mal war ich 1,5 Stunden unterwegs, was aber noch nicht reichte, um bis vor die Tore Vallettas und zurück zu gelangen.

Dienstag, 8.9.2016 – Feiertag „Our Lady of Victories“

Heute war Schulfrei, denn in Malta feiert man „Our Lady of Victories“, mit dem der Siegestag und Abzug der Türken nach der Belagerung in 1565 gefeiert wird. Ein perfekter Tag für einen Tagesausflug.

Erstes Ziel waren für mich die Dingli Cliffs, bei der es sich um die größte Steilküste Maltas handelt. Den Instruktionen meines Reiseführers folgend, nahm ich den passenden Bus. Hier komme ich auf die App „Malta Offline Karte“ von EasyNavi zu sprechen. Eine Offline-Karte ist unverzichtbar, um die aktuelle Position zu bestimmen, ohne dafür Verbindungsentgelt zahlen zu müssen. Diese App kostet zwar circa 2 EUR, ist dafür aber auch werbefrei und sehr detailliert. Da ich nicht so recht wusste, wo ich aussteigen sollte, konnte ich Live mein GPS Signal während der Busfahrt sehen und so die optimale Haltestelle finden. Mit der App „MCA Malta Free“ lassen sich kostenfreie HotSpots aufspüren.

Eigentlich eignet sich der September nicht wirklich für Wanderungen, da alles sehr trostlos und karg ist. Der Frühling ist da weitaus empfehlenswerter. Auf dem Weg zu den Cliffs kommt man an der St. Magdalena Kapelle und einer Radarstation vorbei. Auch hier gibt es touristische Phänomene zu beobachten. Als ich an der Kapelle eine kleine Rast machte, hielt ein Bus mit Jugendlichen, die sich wie eine Heuschreckenplage um die Kapelle versammelten. So sah ich bei der Ankunft an den Dingli Cliffs schon einen voll zugeparkten Busparkplatz vor meinem geistigen Auge. Dem war aber nicht so. Ein steiniger Weg führt hinab zu den Klippen und einem Aussichtspunkt, der einem dann wirklich den Atem verschlägt, wenn man aufs weite Meer hinaus schaut. Der Blick auf die Dingli Cliffs war sagenhaft. Vor allem war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ich war vollkommen allein, konnte die Meerluft riechen und das Rauschen der Wellen hören, bevor sie an den Felsen brachen. Natürlich blieb genug Zeit, eine Menge Fotos zu schießen, bevor ich wieder hoch zur Straße lief. Hier gilt aufpassen und sich an die richtige Straßenseite stellen, um nicht wie ich, den ersten Bus zu verpassen.

Mit dem nächsten Bus ging es weiter nach Rabat. Hier gibt es einen ähnlich großen Busparkplatz wie in Valletta, an den Rabat und Mdina grenzen. Mdina war die ehemalige Hauptstadt und Rabat eigentlich nur der Vorort, der mittlerweile eine größere Ausdehnung und Einwohnerzahl besitzt. Ich gönnte mir erst einmal einen leckeren Hamburger im Restaurant „Bottegin Palazzo Xara“, welches durch sehr freundliches Personal und ein tolles 50er Jahre Ambiente hervorsticht.

In Rabat gibt es einiges zu sehen. Angefangen bei der imposanten St. Paul’s Church, die nach dem Apostel Paulus benannt ist, der 60 n.Chr. auf der kleinen Insel strandete. Er hat der Geschichte nach, den christlichen Glauben auf Malta etabliert. Heute hatte ich zudem Glück. Es gibt viele Katakomben mit alten Grabstätten in Rabat, die an Sonntagen normalerweise geschlossen haben, heute aber teilweise geöffnet und sogar kostenlos zu besuchen waren wie beispielsweise die St. Agatha’s Catacombs, zu der auch ein kleines Museum mit einigen Ausstellungsstücken gehört. Interessant fand ich, dass dort Menschen verschiedenen Glaubens zusammen bestattet sind, wie beispielsweise Juden und Christen. Möchte man die St. Paul’s Church von innen sehen, besorgt man sich ein Kombiticket. Damit gelangt man auch in die Katakomben unter der Kirche, sowie die Zufluchtsstätten aus dem 2. Weltkrieg „World War II Shelters „. Hier kann man sich an solchen Tagen, wo wenig Menschen unterwegs sind, auch problemlos mal verlaufen. Dabei handelt es sich nicht um einfache Höhlen, sondern richtige Wohnkomplexe, da die Menschen hier länger Zuflucht suchten. Manche davon sind gefliest und viele besitzen sogar eine eigene Hausnummer! Direkt unter der Kirche befindet sich dann auch die Paulusgrotte, in der Paulus den Winter verbracht haben soll. Hier entdeckt man Statuen, Altare und zahlreiche Grabplatten mehrerer Ritter des bekannten Johanniterordens.

Gerne hätte ich noch das Haus Bernard aus dem 16. Jahrhundert besucht, indem die Bewohnerin höchst persönlich die Führung übernimmt und die aus vielen Ländern zusammen getragenen Gegenstände präsentiert. Das klappte aufgrund der kurzen Öffnungszeiten leider nicht. Irgend etwas musste ich mir ja auch für meinen nächsten Besuch in 2016 aufheben.

Mdina liegt auf einer Anhöhe und ist von einer großen und breiten Stadtmauer umgeben und war in der Vergangenheit dadurch auch kaum einnehmbar und gut vor Angriffen geschützt. Die kleine Stadt sieht aus wie aus dem Bilderbuch, mit kleinen verwinkelten Gassen, in denen es bei den vielen Touristen manchmal sehr eng sein kann. Am Abend wird es dort aber ruhiger und die romantisch beleuchteten Gassen verleihen dem kleinen Ort ein besonders schönes Ambiente. Es gibt nur wenige Restaurants, die immer gut ausgebucht sind. Ohne Tischreservierung ist dort kaum ein Platz zu bekommen. Mdina ist eine autofreie Stadt und es gibt nur wenige Einwohner. Die Sehenswürdigkeiten liegen so dicht beieinander, dass man schon mit einem Schritt nach hinten vor einer anderen steht. Lohnenswert ist ein Besuch des etwas höher gelegenen Teehaus Fontanelle, wo es angeblich die besten Schokoladenkuchen Maltas gibt. Mir hat der Kuchen sehr gut geschmeckt und die Aussicht war wirklich grandios.

Die Heimfahrt nach St. Julians dauerte fast 2 Stunden, da ich in Valletta einmal umsteigen musste und der Bus fast 1 Stunde zu spät kam.

Mittwoch, 9.9.2016 – Valletta

Für heute war ein geführter Stadtrundgang in Valletta geplant, der von der Schule organisiert wurde und kostenlos war. Unser Führer, der hauptberufliche Geschichtslehrer Marco, machte das bravourös, nicht nur mit umfangreichem Wissen, sondern auch mit sehr viel Humor. Die Führung fand natürlich nach dem Unterricht statt. Es bot sich so auch Gelegenheit, einiger der anderen Schüler näher kennen zu lernen. Höhepunkt war der Besuch des Breitbildkinos „The Malta Experience“, in dem ein kurzer und informativer Film über die Geschichte Maltas gezeigt wurde. Obwohl ich ja am Sonntag schon in Valletta war, verhalf mir die Führung noch einmal zu einer anderen Perspektive.

Zum Abendessen besuchte ich den KuYa-Pub in St. Julians. Dabei handelt es sich beileibe nicht um einen Pub, sondern um ein kleines Restaurant in einem Keller, oder eher noch eine Bar, mit asiatischer Küche, welche von sehr jungem Personal mit viel Liebe betrieben wird. Man kann sich über die an einer Tafel aufgeführten Menüs sein persönliches Essen zusammen stellen. Das schmeckte einfach sehr lecker.

Donnerstag, 10.9.2016 – Burgibba

Heute war der erste Tag der Abschiede. Eine Schülerin verließ uns. Natürlich nicht, ohne ein Klassenselfie zu machen. Es sollte nicht das letzte sein. So langsam begann ich, mich an den Schulalltag zu gewöhnen. Die ersten Kontakte sind geknüpft, so dass ich die Mittagspausen nicht mehr alleine verbrachte. So kam es auch, dass ich mich mit zwei Schülerinnen auf einen Ausflug nach Burgibba verabredet hatte, welches sich im Südwesten an der St. Paul’s Bay befindet. Ziel war aber dieses Mal keine Sightseeing-Tour, sondern der Besuch des Café del Mar, bei dem es sich um mehr als nur ein Café handelt. Es befindet sich ziemlich weit oberhalb der Küste mit einigen Poolbereichen und einer Bar, von wo aus man direkt zum Meer schauen kann. Abends ist hier richtig viel los und es gibt zahlreiche Partys mit professionellen DJs. Wer mit kleinen Kindern dort ist, sollte sich auch unbedingt das daneben befindliche „Malta National Aquarium“ anschauen, in dem es auch ein nettes Café gibt.

Am Abend genehmigte ich mir noch einen 15 Kilometerlauf entlang der Küste.

Freitag, 11.9.2016 – Valetta by Night

Heute nahm ich mir vor, nach der Schule eine kleine Fotosession zu machen. Valletta am Tag hatte ich schon zu Genüge gesehen, aber mich interessierte, wie Valletta wohl bei Nacht und mit voller Beleuchtung aussehen würde.

Kurz vor Sonnenuntergang machte ich mich auf den Weg. Aus meiner Sicht, sind sehr schöne Bilder dabei heraus gekommen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich kein Stativ dabei hatte und die Bilder bis zu 10 Sekunden belichtet werden mussten. Im Cockney’s genehmigte ich mir dann ein leckeres Abendessen mit landestypischem Wein bei einem herrlichen Blick über den Fährhafen in die Bucht.

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