London in 6 Tagen – Ein Reisebericht mit vielen Tipps und Bildern

1989, mit gerade einmal 22 Jahren besuchte ich das erste und einzige Mal die Hauptstadt Großbritanniens und Nordirlands im Rahmen einer Klassenfahrt der Fachoberschule. Die Anreise bestand aus einem langen Tagesausflug, da wir mehrere Stunden mit dem Bus aus der Eifel in die Niederlande fuhren, von dort wieder zahlreiche Stunden mit der Fähre unterwegs waren und im Anschluss noch den weiten Weg von der Küste nach London vor uns hatten. Wir waren nur wenige Tage dort, so dass es gerade für die bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Tower Bridge oder das damals fast noch einzigartige Madame Tussauds gereicht hatte. „Damals“ durfte man in der Tube noch Alkohol trinken, in den Pubs rauchen und in den Hotels wurde noch ein richtiges, englisches Frühstück mit Ham & Eggs serviert.

Mittlerweile bin ich 25 Jahre älter und meine Tochter genauso alt wie ich während meiner Klassenfahrt. Nachdem ich mit meinem Sohn schon eine Städtereise nach Berlin unternommen hatte und meine jüngste Tochter mit mir alleine nach Teneriffa durfte, war es an der Zeit, auch mit meiner Großen etwas zu unternehmen. Da sie schon länger davon träumte, einmal London zu besuchen, entschieden wir, die erste Woche nach den Osterferien in London zu verbringen.

Vorbetrachtung:

Mit mehr als 8 Millionen Einwohnern ist London die bevölkerungsreichste Stadt Europas. Zum Vergleich: Berlin besitzt gerade einmal etwas mehr als 3,5 Millionen Einwohner. London verläuft auf einer Länge von fast 45 km entlang der Themse und liegt auf dem Nullmeridian als Ausgangspunkt der Längengrade und damit auch der Zeitzonen. Die Hauptstadt Großbritanniens und Nordirlands ist seit 1965 in 33 Stadtbezirke und 2 Bereiche aufgeteilt. Einmal das Zentrum, genannt „Inner London“ und alles drum herum im Bereich „Greater London“. Nicht umsonst finden mehr als 16 Millionen Touristen jährlich ihren Weg nach London. Die Stadt hat viel zu bieten und viele Kenner sehen in London die Welt in einer Stadt vereint. Dem ist tatsächlich so, denn jeder Stadtbezirk hat eine eigene Prägung, von der City of London mit bunten Treiben bis hin zu Hampstead mit dörflichem Charakter und wunderschönen Heidelandschaften oder dem durch Jack the Ripper bekannt gewordene Stadtbezirk Tower Hamlets, der stark durch Einwanderer geprägt ist. Eine bunte Stadt in jeder Hinsicht, wie die ganze Welt. Sogar der Paddington Bär aus Peru sagt von London, dass hier jeder hineinpasst, auch ein Bär.

Tatsächlich gehört Regen zu London wie Schnee zur Antarktis. Fast jedenfalls, denn im Schnitt regnet es mindestens 10 Tage pro Monat und fast 150 Tage im Jahr bei Temperaturen knapp über 0° bis hin zu maximal 22° Durchschnittstemperatur im Juli. Badewetter sieht anders aus. Warum ist London also bei Touristen so beliebt?

London glänzt als Theater- und Musical-Metropole, bietet Shoppingerlebnisse auf höchstem Niveau, Sehenswürdigkeiten, Bauwerke, Parks und Museen, für die man wohl Monate bräuchte, um sie alle zu besuchen und anzuschauen.

Vorbereitung:

Reiseführer:

Wem das als Begründung nicht reicht, sollte sich einmal die 111 Gründe, London zu lieben durchlesen

Hierbei handelt es sich nicht um einen klassischen Reiseführer, sondern eher eine Liebeserklärung an London, nach deren Lektüre man sich am liebsten gleich in den Flieger setzen möchte.

Apropos Reiseführer. Hier ist die Qual der Wahl sehr hoch, denn es gibt zahllose Reiseführer und ich habe mir auch gleich mehrere besorgt.

111 London, Geheimtipps und Top-Ziele war der erste, um mich auf London einzustimmen. Er ist sehr informativ und bietet neben den bekannten Zielen und Sehenswürdigkeiten auch zahlreiche Informationen, die man in keinem anderen Reiseführer findet. Als Harry-Potter Fan fand meine Tochter darin z.B. einige Orte, an denen verschiedene Szenen aus den Filmen gedreht wurden und die man auch sofort wieder erkennt.

101 London - Reiseführer von Iwanowski: Geheimtipps und Top-Ziele
Preis: EUR 6,90
4 neu von EUR 6,904 gebraucht von EUR 0,71

Warum nicht den Marco Polo Reiseführer? Nun, mir erscheint der Marco Polo Reiseführer ehrlich gesagt zu chaotisch und auch zu knapp. Der Baedeker SMART Reiseführer London besitzt eine Aufteilung nach Stadtteilen, was ich praktischer finde. So muss man nicht ständig blättern, sondern kann sich von morgens bis abends einen Stadtteil vornehmen, die Sehenswürdigkeiten dort anschauen, sein Essen zu sich nehmen und den Abend verbringen.

So lernt man meiner Meinung nach eine Stadt besser und stressfreier kennen. Zudem handelt es sich um eine brandneue Auflage aus Januar 2015 und Kartenmaterial ist auch ausreichend vorhanden, inkl. einer guten Tubemap. Die Spiralbindung ist unglaublich hilfreich, da man den Reiseführer unterwegs nicht zuklappen muss, sondern einfach mit der aufgeschlagenen Seite wieder wegpacken kann.

Offline Apps fürs Smartphone:

Es gibt auch einige interessante, kostenlose Apps, Hier möchte ich einige erwähnen, besonders, weil sie teilweise Offline arbeiten und so eine Navigation innerhalb Londons Sehenswürdigkeiten ermöglichen, ohne Kosten durch Verbrauch des Datenvolumens zu verursachen.

  • London Reiseführer (Ulmon GmbH)
  • London Offline Stadtplan (Ulmon GmbH)

Hier kann man zuvor sogar die kompletten Wikipedia-Infos zu allen Sehenswürdigkeiten herunterladen. Mit GPS findet man auch Offline den Weg dorthin:

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  • London Offline-Karte, Führer (offguidenet)
  • London City Guide (von Tripadvisor)
  • Tube Map London Underground

Mit Tube Map kann man Offline Verbindungen im gesamten U-Bahn-Netz planen, die dann entweder graphisch oder in Textform den Weg von A nach B weisen:

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Einfach im Google Play Store danach suchen und installieren.

Anreise und Hotel:

Ich hatte wirklich zahllose Portale nach günstigen Angeboten durchsucht. Hotel und Flug alleine oder Pauschal. Bei bekannten Hotels kann eine Pauschalbuchung günstiger sein, als wenn man beides getrennt bucht. Am Ende wurde es eine Pauschalbuchung, weil Flug und Hotel bei getrennter Buchung deutlich teurer geworden wären. Für 2 Personen sollte das ganze ca. 850 EUR kosten, was ich sehr günstig finde.

Dabei hat man aber immer noch genug Auswahl, was die Fluglinien angeht, wo wir bei den Alternativen wie z.B. Ryan Air aus Frankfurt Hahn wären. Ja, Ryan Air ist günstiger als jede andere Linie die vom Frankfurter Stadtflughafen startet, aber es gab zahlreiche Gründe, die mich den Aufpreis von 80 EUR pro Person zur Lufthansa zahlen ließen:

  1. Die Anfahrt beträgt bei mir von Groß-Zimmern ca. 140 km und dauert mindestens 1 ½ Stunden
  2. Die Nebenkosten wie Gebühren und zusätzliches Gepäck sind nicht im Preis inbegriffen
  3. Das Abstellen des Pkws ist zwar günstiger als am Frankfurter Flughafen, aber nicht kostenlos.

Da ich nur 15 km bis nach Darmstadt habe und dort eine kostenlose Parkmöglichkeit vorhanden ist, war das für mich die bessere Lösung. Der Airliner benötigt knapp 20 Minuten zum Flughafen und kostet 8,15 EUR pro Person. Als Anschlussfahrkarte zur Zeitkarte (Jobticket) habe ich sogar nur 3,80 EUR bezahlt. Zusätzlich kann ich bei der Lufthansa ergänzend zum Handgepäck einen 23 kg schweren Koffer mitnehmen. Bei fast 6 Tagen ist das schon ein Vorteil. Dazwischen fungierte mit 56 EUR Aufpreis noch British Airways. Hier ist die Gepäckregelung jedoch ungünstig. Man kann zwar auch schweres Gepäck mitnehmen, jedoch nur in der Kabine, so dass nur ein kleiner Board Trolley mitgenommen werden darf. Wie man da über 20 kg hineinbekommen soll, erschließt sich mir nicht.

In London:

In London sollte man sich auf jeden Fall überlegen, ob man die Oyster Card oder eine Travelcard nutzt. Bei der Travelcard handelt es sich um ein 1 oder 7 Tagesticket für bestimmte Zonen (Meist reicht Zone 1 bis 2 und das separate Erwerben von Anschlussfahrkarten bei einzelnen und weiteren Fahrten). Die Oyster Card ist eine PrePaid-Karte mit der man aber nie mehr zahlt, als mit einer Tageskarte. Genau da kommt die Frage auf, was denn nun günstiger ist: Das hängt davon ab, wie lange man bleibt, in welchen Zonen man unterwegs ist und wie oft man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt.

Fahre ich täglich weniger als für den Preis einer Tageskarte, lohnt sich die Oyster Card.

Fahre ich jeden Tag mindestens so viel, wie eine Tageskarte kostet, vergleicht man einfach, ab wie vielen Oyster Cards die Travelcard günstiger ist.

Beispiel : Travelcard: -Zone 1-2 und 7 Tage kostet ca. 40 EUR. Fahre ich an 4 Tagen intensiv mit der Oyster Card, kostet sie mich 4 * 11.50 EUR = 46 EUR und ist somit teurer. D.h. wer viel unterwegs ist, zahlt in Zone 1-2 selbst bei einer 7 Tages Travelcard weniger. Bei weniger als 4 Tagen lohnt sich die Travelcard auch für Vielfahrer nicht mehr. Hier stellt sich nur die Frage, ob man das Volumen einer Tageskarte überhaupt nutzt.

Ein weiteres, wichtiges Argument für die Travelcard ist die 2 for 1 Aktion von National Rail. Kauft man die Travelcard vor Ort an einem National Rail Schalter wie z.B. Paddington, ist auf der Karte das National Rail Logo versehen. Zusätzlich gibt es ein Gutscheinheft für zahlreiche Attraktion sogar. inkl. Madame Tussauds oder das London Eye, mit dem von 2 Personen nur eine den Eintritt zahlen muss!!! Dies gilt NUR, wenn man das Ticket vor Ort kauft und an manchen Schaltern braucht man ein Passbild. Am Airport Heathrow gibt es den Schalter nicht.

Was genau alles enthalten ist, kann man hier nachlesen.

Wer Zeit hat, spart sich die hohen Kosten für den Transfer von Heathrow mit der Schnellbahn Heathrow Express. Das kostet immerhin fast 35 EUR für die einfache 15-minütige Fahrt. Deutlich günstiger ist es mit der Piccadilly Underground Line für ca. 7,50 EUR. Man ist zwar fast 60 Minuten unterwegs, aber mir waren 55 EUR Aufpreis für den vielleicht 40 Minuten schnelleren Transfer nicht wert.

Buchung von Events:

Viele Events kann man direkt vor Ort buchen, da sie nicht so extrem gefragt sind. Wir wollten in 2 Musicals: Les Miserables und Cats. Da hier schon Anfang Januar nur noch wenig gute Plätze im April verfügbar waren, buchte ich diese schon im Januar aus Deutschland. Da die Plätze im Theater starke Unterschiede in Preis UND Sicht aufweisen, empfehle ich die Seite von „theatremonkey“. Dort kann man Erfahrungsberichte und Einschätzungen zu den „billigen“ Plätzen lesen, da in London jede noch so geringe Einschränkung eines Platzes dokumentiert werden muss. Wenn aber nur 2 Minuten eines fast dreistündigen Musicals problematisch sind, weil dann gerade der Scheinwerfer ungünstig steht, macht es Sinn, die preiswerten Tickets zu kaufen, die meist schon bei 26 EUR beginnen.

Erste Reihe ist oft gut, aber im Theater nicht unbedingt. Meist ist die Bühne erhöht und dann bekommt man eine Nackenstarre und sieht oft die Füße der Akteure nicht mehr, wenn sie sich weiter hinten auf der Bühne befinden.

Nachdem ich die optimalen Plätze identifiziert hatte, wurde direkt über die Webseite des Theaters gebucht und die Tickets im Box Office kostenfrei hinterlegt. Dabei handelt es sich meist um die Theaterkasse, wo man ca. 2 Stunden vor Beginn mit Kreditkarte, Ausweis und Buchungsnummer die Tickets abholen kann.

Andere Ausflüge, wie z.B. die zu den Harry Potter Filmstudios, sind nur online buchbar. Hier muss man aber nicht so extrem früh buchen, es reicht 1-2 Wochen vor Abreise. Wer hierher möchte, sollte sich überlegen, ob er den teuren Bustransfer von Golden Tours in Anspruch nimmt, der mit knapp über 50 EUR pro Person zusätzlich, recht teuer zu Buche schlägt.

Wir entschieden uns für die Zugfahrt mit National Rail für ca. 15 EUR pro Person für Hin- und Rückfahrt, was einer Ersparnis von ca. 70 EUR entspricht.

Finanzen und Bargeld:

Das leidige Thema Bargeld ist in London noch ein Thema. Es gibt – noch – keinen Euro. Deswegen muss man sich vorher Gedanken machen, um den Tausch in Britische Pfund möglichst günstig zu realisieren. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und je nach Wechselkurs und Gebühren für dessen Umrechnung und Bankgebühren, kann so ein Umtausch kostentechnisch ganz schön ins Geld gehen. Die für mich beste Variante ist einfach: Ich habe mir schon vor langem eine Postbank SparCard Direkt besorgt. Der Vorteil liegt auf der Hand. Man kann damit an allen Automaten im Ausland mit VISA-Symbol nicht nur kostenfrei Geld abheben, sondern bekommt auch noch einen sehr günstigen Umrechnungskurs. Alles ohne Extragebühren! Zudem wird das Guthaben auf der SparCard verzinst. Warum sich also Stress mit dem Umtauschen in Deutschland oder vor Ort machen?

So…bisher war es das zu den Vorüberlegungen. Ab jetzt beginnt das Reisetagebuch…

11.04.2015: Packen

So langsam geht es ans Packen. Immerhin geht es morgen schon los. Packliste schreiben, abhaken, ggf. noch fehlende Dinge einkaufen, Geld auf die SparCard überweisen. Geplant ist ansonsten nichts, dafür haben wir unseren Baedeker SMART Reiseführer. Ein bisschen unwohl ist mir vor dem Hintergrund der vergangenen Ereignisse mit dem Germanwings-Absturz schon. Die Wettervorhersage sieht viel versprechend aus.

12.04.2015: Anreise und 1. Tag in London

Unser Flug startete um 14 Uhr, so dass wir inkl. 1 Stunde Zeitverschiebung gegen 14:40 Uhr in Heathrow am Terminal 2 landeten. Aufgrund starken Windes wurde es aber etwas später. Das hatte aber einen Vorteil: Wenn man sich für den Hinflug einen Platz auf der rechten Seite des Fliegers reserviert, hat man eine herrliche Sicht auf die Stadt. Wir konnten alles wunderbar aus der Ferne erkennen: Tower Bridge, Tower of London, The Shard, etc.

Eigentlich war die Abfertigung recht flott, da ja die Ferienzeit vorbei war, aber wir mussten fast 1 Stunde warten, ehe die Koffer auf dem Transportband landeten.  So lange hatte es nicht mal in Mallorca gedauert. Weiter ging es zum Geldautomaten, um die ersten britischen Pfund (GBP) abzuheben. Hier gibt es eine böse Falle, in die ich zum Glück nicht getappt bin: Viele Automaten fragen, ob man den Wechsel nach den Bedingungen der Bank vornehmen möchte, deren Automat man gerade benutzt. Bestätigt man nun mit „Yes“, was auch noch grün hinterlegt ist, werden teils horrende Gebühren verlangt. Mit „No“ wählt man die Umrechnung zu den Konditionen der eigenen Bank. Darauf sollte man gut achten und im Zweifel alles sehr genau lesen, bevor man einen Schritt weiter geht.

Heathrow ist ein sehr gut organisierter Flughafen. Mit dem Fahrstuhl gelangten wir in wenigen Minuten in den Untergrund, kauften das erste Ticket für die Piccadilly Line für 6 GBP. Wie schon erwähnt, sparten wir nicht nur eine Menge Geld, sondern bekamen auf den ersten Streckenabschnitten auch schon einige Einblicke, wie die Londoner so in den Vororten leben.

An der Station Earl’s Court mussten wir in die District Line umsteigen und waren auch schon kurze Zeit später in Paddington. Hier wollten wir gleich die Travelcard erwerben, erfuhren aber, dass man dazu auch ein Passfoto braucht. Mist. Daran hatte ich bei aller Planung nicht gedacht. Glücklicherweise war ein Automat in der Nähe aber für 5 Bilder mussten wir 5 Pfund berappen. Zurück am Schalter bei National Rail bekamen wir dann einen Einblick in die Londoner Gemütlichkeit (Das ist wirklich ironisch gemeint, da es in London eher hektisch zugeht). Der indischstämmige „Beamte“ ließ sich eeewig lange Zeit. Minutenlang rückte er das Bild auf der Travelcard zurecht, bis er es einklebte, fast schon provokativ ruhig. Obwohl ich dachte, gut Englisch zu können, verstand ich ihn kaum, meine Tochter aber sehr wohl. Es lohnt sich wohl doch, vor einem Londonbesuch die Serie „The Big Bang Theory“ zu schauen und der Konversation des indischen Astrophysikers „Raj“ ein besonderes Augenmerk zukommen zu lassen. Immerhin, für 32 GBP konnten wir ab heute 7 Tage die Zonen 1 und 2 uneingeschränkt bereisen.

Unser Hotel, das „London House Hotel“, befindet sich im Stadtteil Bayswater, nahe Notting Hill und Hyde Park. Hier gibt es gleich mehrere U-Bahn-Stationen in unmittelbarer Nähe wie Bayswater oder Queensway. Mit dem Hotel waren wir sehr zufrieden. Es entspricht locker dem 3 Sterne-Niveau. Der Service ist sehr freundlich, man hat WLAN bis aufs Zimmer und es ist wirklich sehr sauber. Negativ fand ich die Zimmergröße. Mit vielleicht 2 m² Bad- und 8 m² Zimmergröße, wäre es eher für eine, als für 2 Personen geeignet. Deutsche Fernsehprogramme fanden wir nicht, aber wir waren ja auch nicht zum Fernsehen hier.

Unser großer Hunger trieb uns gleich nach dem Einchecken in den Pub „Prince Alfred“. Dort gab es sogar Livemusik und wir testeten gleich alles, was möglich war: Fish and Chips, Burger und natürlich ein frisch gezapftes Guinness. Hier wurde auch schnell klar: Das Leben in London ist teuer und ein schmackhaftes Essen in einem einfachen Pub bekommt man selten unter 10 Pfund und ein Pint Bier (etwas über 1/2 Liter) schlägt auch mit mindestens 4 Pfund zu Buche. Dafür war das Essen wirklich lecker.

Da sich der Tag zu Ende neigte, fuhren wir noch planlos in die Stadt und schauten uns ein wenig um. Mehr zufällig kamen wir zur London Bridge, von der wir einen guten Blick auf die beleuchtete Tower Bridge hatten. Zu der gelangten wir dann auch über einen schönen Weg entlang der Themse. Nach ein paar Fotos und etwas innehalten, um die Eindrücke aufzunehmen, fuhren wir zurück ins Hotel. Zum Einkaufen empfehlen sich die zahllosen Supermärkte, die meist rund um die Ohr geöffnet haben. Auch hier zahlt man deutlich mehr als in Deutschland und ich stellte mir die Frage, wie sich die Londoner mit geringerem Einkommen überhaupt über Wasser halten können.

13.04.2015: Stadtrundfahrt, Tower of London, Gleis 9 3/4 und Brückenöffnung

Zunächst gab es ein englisches Frühstück im Royal Bayswater Cafe mit dem Namen „Eye Opener“. Alles was eher ungesund ist, war hier enthalten: Spiegelei, Hash Browns (frittiertes Kartoffelhack), Beef Sausage, Bohnen und Toast.

Gestärkt fuhren wir zur U-Bahn Station Marble Arch, wo wir die Bustour aus dem Baedeker Smart Reiseführer unternahmen. Erst in Linie 6, durch die Oxford Street, die Regent Street, vorbei an Piccadilly Circus und Trafalger Square, bis Aldwych, wo es dann weiter ging mit der bekannten Linie 15. Mit dieser Linie kommt man z.B. an der St Paul’s Cathedral und dem Monument vorbei. An der Station Tower Hill stiegen wir uns, um dem Tower einen Besuch abzustatten.

Hier machte sich die Travelcard bezahlt, denn wir mussten tatsächlich nur einmal Eintritt von 24,50 GBP zahlen. Der Tower ist wirklich gewaltig. Er wurde als Festung, Werkstatt, Lager, Zoo, Museum oder Gefängnis genutzt und besteht aus zahlreichen Gebäudekomplexen. Für Fragen und Antworten standen überall Beefeater bereit, die Torwächter des Towers. Da es außerhalb der Ferienzeit war, mussten wir weder an der Kasse, noch bei den Kronjuwelen warten. Diese waren unsere erste Anlaufstelle. Nach einigen Infotafeln gelangten wir automatisch dorthin und es war relativ wenig los. Da die Zepter, Kronen und anderer Königsschmuck sehr beliebt sind, gibt es an den Hauptvitrinen beidseitig Rollbänder, wie man sie von den Flughäfen her kennt. Im Anschluss besichtigten wir den White Tower, wo es diverse Ausstellungen gab von z.B. Rüstungen, Kanonen etc.  Die Wahrzeichen des Towers sind Raben und als Tierfreund wird man schockiert sein zu erfahren, dass man den Vögeln die Flügel stutzt, um sie am Wegfliegen zu hindern. Ansonsten kann man nach Lust und Laune durch die verschiedenen Teile des Towers laufen, die alle  durch die begehbare Mauer verbunden sind. Wenn man Glück hat, kann man auch einem der mittelalterlich aufgemachtem Schauspiele zusehen.

Als Harry Potter Fan wollte meine Tochter natürlich dem Gleis 9 3/4 in King’s Cross einen Besuch abstatten. Hier wurde allerdings schon alles touristisch bis ins Detail ausgeschlachtet:  Der in der Wand eingearbeitete Gepäckwagen diente als Fotokulisse und nach etwas Wartezeit, konnte man sich beim Betreten des Gleises 9 3/4, samt Harry Potters Schal um den Hals, professionell ablichten lassen. Die Bilder konnte man sich im Anschluss, wie sollte es anders sein, im Harry Potter Shop um die Ecke gegen Bezahlung aushändigen lassen. Glücklicherweise war es möglich und gestattet, auch eigene Fotos zu schießen.

Im Anschluss hatten wir uns im Internet über die Brückenöffnungszeiten der Tower Bridge informiert. Die nächste Öffnung anläßlich der Durchfahrt der „Queen Mary“ sollte um 19 Uhr sein. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Da wir bis dahin noch etwas Zeit hatten, besuchten wir das Hard Rock Cafe, um noch das ein oder andere Kleidungsstück einzukaufen.

Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel machten wir uns auf den Weg zur Tower Bridge und genossen auf einer der umliegenden Bänke noch ein wenig die Sonne. Pünktlich um 19 Uhr konnte man zusehen, wie sich die Tower Bridge  ganz langsam öffnete, um der Queen Mary die Durchfahrt zu ermöglichen.

14.04.2015: London Eye, Tour auf der Themse nach Greenwich, Les Misérables

Wir waren noch relativ unschlüssig und hatten das London Eye in der engeren Auswahl, da dieses mit der 2 & 1 Travelcard nur einen Eintritt kostete. Andererseits liest man ja von extrem langen Wartezeiten bis hin zu Stunden, vor allem, wenn man das Ticket nicht schon vorher Online bestellt. Wir wagten es trotzdem und fuhren so gegen 9:30 Uhr zum London Eye und ließen uns genug Zeit, auch noch einen ersten Blick auf den Big Ben und das Parlamentsgebäude zu werfen. Die Karten bekamen wir gleich und mussten gar nicht anstehen. Für 21,50 GBP war der Preis für 2 Personen auch akzeptabel. Die Alternative, mit der Seilbahn der Emirates über die Themse zu fahren, verwarfen wir dann auch. Nachdem wir die Karten hatten, ließen wir die 4D-Show erst mal links liegen und stellten uns gleich in die Schlange fürs größte Riesenrad Europas an, welches mit 135 Meter anfangs sogar das größte Riesenrad der Welt war. Nach exakt 45 Minuten Wartezeit hatten wir schon einen Platz in einer der 32 verglasten Kabinen, zusammen mit 23 weiteren Menschen. Das Rad dreht sich so langsam, dass die Leute während der Drehung ein- und aussteigen können. Die Aussicht von oben ist phänomenal, ja fast schon gigantisch. Als Orientierung dienen entweder ein kostenpflichtiger 360° Plan oder man nutzt einen der 4 kleinen LCD-Panels mit Touchscreen, die sich in jeder Gondel befinden. Damit fand ich mich gut und schnell zurecht, so dass ich jedes größere und interessante Gebäude schnell zuordnen konnte. Die Fahrt dauerte auch wesentlich länger als auf einem der Riesenräder auf den großen Rummelplätzen. Gut 30 Minuten waren wir unterwegs und hatten so viel Zeit, die Aussicht auf London zu genießen, natürlich bei hervorragenden Wetter. Bis heute hatte es nämlich noch keinen Tropfen geregnet und es war strahlend, blauer Himmel.

Nach der Fahrt schauten wir noch kurz im 4D-Kino vorbei, wo ein kurzer Film über London bzw. auch das London Eye gezeigt wurde. Dabei waren wir auch einigen Effekten in der 4. Dimension ausgesetzt, über die ich hier nicht mehr verraten möchte.

Gleich neben dem London Eye befindet sich die Anlegestelle verschiedener Ausflugslinien. Wir wählten die Linie City Cruises und erwarben, wieder dank TravelCard, ein Ticket für 18 GBP für 2 Personen. Damit konnten wir zwischen Westminster und Greenwich, was ungefähr 1 Stunde auseinander liegt, den ganzen Tag beliebig hin und her fahren. Man sollte bei den Abfahrtszeiten aber beachten, dass die Themse den Gezeiten ausgesetzt ist und dadurch längere Wartezeiten möglich sind. Wir waren auch hier spontan und fuhren zunächst vom London Eye zum Tower Pier. Das dauerte ca. 25 Minuten und war nicht einfach nur eine Rundfahrt. Ein bärtiger Seemann jüngeren Baujahres fragte die Passagiere, ob sie einen Guide möchten und da alle bejahten, begleitete er uns in absolut sauberem und humorvollem Englisch die ganze Fahrt über. Zu jeder Brücke und jedem Bauwerk konnte er neben Fakten auch interessante Geschichten erzählen. Das gefiel uns dann so gut, dass wir einfach sitzen blieben und bis Greenwich mit fuhren.

Dort gibt es einiges Interessantes zu entdecken. Gleich nachdem wir von Bord gingen, konnten wir uns die Cutty Sark anschauen, den ältesten Teeklipper der Welt, der jetzt als Museumsschiff ausgestellt wird. Danach ging es weiter in das fast schon dörflich anmutende Zentrum von Greenwich.  Später stärkten wir uns  bei „Jamies“, einer Fast-Food-Kette von Jamie Oliver mit jeweils einem riesigen Burger. Für Fast-Food nicht ganz billig, aber sehr lecker und empfehlenswert.

Bei Greenwich handelt es sich um das ehemalige Zentrum der britischen Marine. Davon zeugt noch das imposante Royal Naval College, die ehemalige Marineakademie. Dahinter befindet sich der riesige Greenwich-Park, an dessen höchstem Punkt sich das Observatorium, durch das der sog. Nullmeridian verläuft, befindet. Die ehemalige, heute begrifflich aber noch oft verwendete, GMT (Greenwich Mean Time) wurde hier definiert, weil die Sonne an diesem Meridian um 12 Uhr GMT den höchsten Stand hatte. Wer den Eintritt zahlen möchte, kann sich dann u.a. sogar mit jeweils einem Fuß in unterschiedlichen Zeitzonen fotografieren lassen. Es lohnt sich auf jeden Fall, den kleinen Berg hinauf zu gehen, da die Aussicht auf London von hier phantastisch ist.

Da wir am Abend noch ins Musical Les Misérables wollten und es schon recht spät war, entschieden wir, den Rückweg mit der Bahn zu fahren, was mit der Travelcard kein Problem ist. Noch kurz ins Hotel und dann ging es zum Höhepunkt des Abends ins Queens Theatre, einem sehr schönen, alten Theater, nicht unweit vom Piccadilly Circus. Zu dem Musical selbst muss man wohl nicht mehr viel sagen. Es ist eine Liebesgeschichte in den Zeiten der französischen Revolution zwischen 2 Menschen aus unterschiedlichen Schichten. Die Drehbühne mit dem ständig wechselnden Bühnenbild war einfach nur genial, genauso wie die Darbietungen der Akteure, gesanglich wie schauspielerisch einfach nur toll.

15.04.2015: Harry Potter Studiotour

Für meine Tochter war dieser Tag auf jeden Fall der Höhepunkt. Es gibt für einen Harry Potter Fan erster Stunde wohl nichts schöneres, als eine Studiotour in den Warner Studios. Wir hatten beide keine Vorstellung davon, was uns da erwartet. Um die Anfahrt möglichst günstig zu halten, fuhren wir mit keiner der angebotenen Touren dorthin, sondern nahmen einfach die Bahn von Euston nach Watford Junction. Von dort verkehrt ein Shuttle für 2 EUR (Hin- und Zurück) zu dem Filmstudio. Natürlich filmgerecht mit einem Doppeldecker. Nach gut 20 Minuten kamen wir endlich an und das Gebäude selbst sieht von Außen riesig aus.

Nun noch schnell die Karten am Automaten abholen und los geht’s. Nein, natürlich musste erst mal am Eingang geprüft werden, ob die eigenen Hände in die originalen Handabdrücke der 3 Hauptdarsteller passen. Zunächst ging es in den Shop. Der war einfach nur riesig. Hier bekommt der Harry Potter Fan wirklich ALLES, was man sich wünscht. Einen Nimbus 2000? Kein Problem. Oder wie wäre es mit den Zauberstäben der Akteure aus den Filmen? Eine Plüscheule? Auch die originalen Süssigkeiten in den teils ekligen Geschmacksrichtungen sind hier käuflich zu erwerben…

Nun sollte es aber losgehen. Die Warteschlange war nicht lang und nach einer kürzen Einführung und einem Film, durften wir die heiligen Hallen betreten. D.h. es ging zunächst in die „Great Hall“, die Große Halle. Diese ist wirklich riesig und enthält zahllose Ausstellungsstücke der 4 Häuser wie z.B. deren Schulkleidung. Im der nächsten, weitaus größeren Halle, kann man sich wohl stundenlang aufhalten. Hier gibt es verschiedene, thematisch sortierte Bereiche, von der Maske, bin hin zu den Kleidern, den Bildern, Dumbledores Büro, dem Gemeinschaftsraum der Gryffindors, Hagrids Hütte, Spezialeffekte, etc., etc.

Nachdem wir dachten, hier kommt nichts mehr, ging es im Anschluss zum Bahnhof mit dem Hogwarts-Express. Dabei handelt es sich nicht einfach nur um eine Nachbildung, sondern den echten Zug aus den Filmen, den man im Jahre 2000 aus einem englischen Museum in das Filmstudio nach Leavesden verfrachtete und filmgerecht umlackierte. Die Dampflok aus dem Jahre 1937 ist natürlich noch voll funktionstüchtig und machte bis 2014 noch zahlreiche Nostalgiefahrten. In den begehbaren Waggons befinden sich alle Zugabteile aus den jeweiligen Filmen. Ein Traum für Fans, einmal hier durchzulaufen.

Im Anschluss ging es durch ein Restaurant – wo es das berühmte Butterbier gibt, was meiner Tochter dann eher weniger, mir jedoch mehr schmeckte – ins Freigelände mit dem fahrenden Ritter und dem Haus der Dursleys, natürlich alles in Originalgröße.

Wieder drinnen, konnte man die Kreaturen und Horrorgestalten bewundern und auch die Technik, mit der ihnen Leben eingehaucht wurde. Mich haben da aber weniger die spektakulären Figuren berührt, sondern mein Lieblingswesen, der kleine Dobby.

Der nächste Flash war nicht weit: Die originalgetreue Einkaufsmeile für Zauberer, die Winkelgasse aus den Filmen mit allen Läden und richtigem, begehbaren Kopfsteinpflaster. Einfach unglaublich und kein Vergleich zu diversen anderen Besichtigungen in Filmstudios, die ich bisher schon gesehen hatte.

Kann es da noch eine Steigerung geben? Ja und wie! Nach der Winkelgasse ging es an vielen kleinen Papp- und Holzmodellen vorbei, in eine riesige Halle und dort befand sich das Schloss Hogwarts in Maßstab 1:24, an dem zahlreiche Leute monatelang gebaut hatten. Selbst in dieser „kleinen“ Version wirkt es unheimlich gewaltig und lässt Fans den Atem stocken. Durch eine ausgeklügelte Farbgebung erscheint es immer wieder in anderem Licht, wie bei Tag und Nacht. Natürlich fehlen auch nicht die umliegenden Ländereien. Tja, hier war der Rundgang dann auch fast zu Ende und ich kann jedem Harry Potter Fan einen Besuch absolut nahe legen. Der hohe Preis ist gerechtfertigt und es lohnt sich selbst dann, wenn man nur deswegen nach London fährt.

Dementsprechend spät kamen wir dann auch im Hotel an und nachdem ich meine Erkältung recht gut auskuriert hatte, nutzte ich das schöne Wetter noch für einen 10 Kilometerlauf durch den Hyde-Park, ein Traum von mir, während meine Tochter sich im Einkaufszentrum Whiteleys unweit des Hotels vergnügte.

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Das Abendessen nahmen wir im Banana Tree in Bayswater ein, wo es sehr leckere indo-chinesische Küche gibt.

16.04.2015: St James Park, Wachablösung, Borough Market, Millenium Bridge, St Paul’s Cathedral, Westminster Abbey, Covent Garden

Auf dem ersten Blick klingt die Überschrift nach viel Stress und hohen Eintrittsgeldern. Dem war aber nicht so. Es gab weder Stress, noch hat irgendetwas davon nur einen einzigen Cent gekostet.

In der Früh nahmen wir wie des Öfteren aus einem der Fast Food Läden wie Eat oder Pret a Manger ein belegtes Baguette mit, welches wir im St James Park verspeisten und dabei versuchten, einige der handzahmen Eichhörnchen anzulocken. Da diese aber schon eine begehrte Attraktion sind, war das kaum zu schaffen. Scharen von Kids kreisten schon zahlreiche Eichhörnchen mit ihren Smartphonekameras ein. Nach dem Frühstück machten wir einen Rundgang durch den kleinen aber sehr schönen Park, indem sogar Pelikane ihr zu Hause haben.

Gegen 10:30 Uhr kamen wir zum Buckingham Palace, wo sich bei strahlendem Himmel schon zahlreiche Leute tummelten. Da ich keinen Plan hatte, wie diese Zeremonie abläuft, stellten wir uns mit Blick aufs Victoria Memorial an die Straße. Dort kamen nach einiger Zeit die Guards auch vorbei, marschierten dann aber in den Palast und ruckzuck wechselten alle Leute die Position und stürmten an den vergitterten Zaun. Dort fand dann die eigentliche Wachablösung statt und es wurden zahlreiche Titel aus diversen Musicals gespielt. Nach der Wachablösung machten alle wieder kehrt, die Wachen kamen zum anderen Eingang wieder heraus und verschwanden. Ganz nett und irgendwie königlich, aber nochmal würde ich mir das Spektakel nicht anschauen. Hier erkannte ich dann auch den Unterschied zwischen einem Selfie mit und ohne Selfiestange. Eigentlich hasse ich diese Dinger, aber ich wollte es unbedingt mal ausprobieren und tatsächlich war es möglich, sich mit dem kompletten Palast im Hintergrund zu fotografieren.

Langsam bekamen wir wieder Hunger und überlegten uns, wo wir günstig und gut essen konnten. Hier verließ ich mich auf unseren Reiseführer und so wurde die nächste Station der Borough Market. Hier bekommt man ausschließlich Leckereien aus der Region und aller Herren Länder. Daneben finden sich reichlich Imbissbuden bis hin zu einem deutschen Anbieter mit echter Thüringer Bratwurst. Das Angebot ist also reichhaltig und teilweise, für Londoner Verhältnisse, günstig. Einen schmackhaften Burger vom artgerecht gehaltenem Rind bekommt man schon für beispielsweise 7 GBP. Mit vollem Magen war es dann schon viel angenehmer, sich hier umzuschauen: Käse, Brot, Früchte, Konditoreierzeugnisse, Gewürze…Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein schöner Markt, der den Lebensmittelmärkten auf den spanischen Inseln in Auswahl und Qualität in nichts nachsteht.

Nachdem wir schon während der Schifffahrt unter der Millenium Bridge durchgefahren waren, schauten wir uns diese futuristische Brücke, die auch in einem der Harry Potter Filme als Kulisse diente, von oben an bzw. liefen einmal darüber. Bei schlechtem Wetter hätte sich sicher ein Blick in die Tate Modern gelohnt, aber da auch heute die Sonne wieder schien, schauten wir uns im Anschluss die St Pauls Cathedral an. Erst von außen, dann sollte es hinein gehen, aber bei einem Eintrittspreis von um ca. 18 GBP , zögerten wir doch. Also besorgten wir uns Kaffee und Gebäckstückchen aus dem Supermarkt gegenüber und setzen uns auf die Treppe am Fuß der Kathedrale. Um 17 Uhr sollte dort der Eveningsong beginnen. Da die Kasse um 16 Uhr schloss, vermutete ich, dass man danach keinen Eintritt mehr verlangt. Tatsächlich wurden die Türen um 16 Uhr verschlossen und 16:15 wieder geöffnet. Wir konnten einfach hineinmarschieren und uns umsehen. Nachdem wir die Eindrücke etwas auf uns wirken ließen, gingen wir wieder nach draußen. Es war halt so, dass wir eigentlich auch die Westminster Abbey besuchen wollten. Schließlich hat diese Kirche als Stätte der königlichen Krönungen und Hochzeiten eine lange Geschichte und Tradition. Dort gab es auch den Eveningsong um 17 Uhr und wir schafften es auch noch, pünktlich dorthin zu gelangen. Wir wurden freundlich vom Pfarrer empfangen und bekamen einen Platz zugewiesen. Es fand eine Art Abendandacht mit Chorgesang statt, begleitet von einer imposanten Kirchenorgel. Ein einmaliges Erlebnis und immer wieder schweifte mein Blick an die weit entfernte Decke. Die Vorstellung, dass hier Könige gekrönt wurden und königliche Hochzeiten stattfanden,  lässt schon etwas Ehrfurcht aufkommen.

Da es langsam Zeit fürs Abendessen war, zogen wir weiter nach Covent Garden bzw. eigentlich Covent Garden Piaza, in dessen Zentrum sich eine alte Markthalle befindet. Es gibt einige Kleinkünstler, die dort ihr (Un)wesen treiben und viele kleine Läden. Livemusik findet auch fast an jeder Straßenecke statt. Um die Halle herum, liegen weitere Geschäfte, in denen man nahezu alles Mögliche erwerben kann. Ein empfehlenswerter Ort also, für eine kleine „Auszeit“ und einen Snack.

17.04.2015: Joggen im Regents Park und Primrose Hill, Camden Market, Hampstead und Musical Cats

An Ende dieses Tages, kam ich zu einer erleuchtenden Schlussfolgerung, die einige möglicherweise schon jetzt – in Anbetracht der Überschrift – erraten könnten. Aber der Reihe nach.

Da ich mir heute einen schönen Morgenlauf vorgenommen hatte, durfte sich meine Tochter im Bad besonders viel Zeit lassen. Ich war schon früh wach und nach Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts lief ich los in Richtung Regents Park, natürlich mit meinem Smartphone inkl. Runtastic als Navigationshilfe. Ich lief zunächst unterhalb des Regents Parks zum Kanal, wo zahlreiche Menschen jeder Gesellschaftsschicht ein Hausboot besitzen, teils auch um den hohen Mietpreisen der Stadt zu entgehen. Manche haben es sich dort richtig wohnlich eingerichtet, mit Grünpflanzen am Steg und kleinen Blumenbeeten. Natürlich machte ich den ein oder anderen Stop, um auch ein Foto mit nachhause zu nehmen. Weiter ging es dann in den Regents Park und wieder hinaus zum Primrose Hill, einem 78 Meter hohem Hügel, was für London schon sehr hoch ist. Die Aussicht von dort oben ist genial, da man die komplette Skyline von London in einem Blick hat.

Der „Abstieg“ war wesentlich angenehmer und im Regents Park konnte ich einen Weg entlang der Rückseite des London Zoos finden, wo man eine gute Sicht in den Zoo hatte. Ich lief noch den kompletten Regents Park „ab“, wo mir noch sehr schöne Fotomotive beschert wurden. Zeitlich hatte ich den Lauf etwas überschätzt. Nach gut 15 km und mehr als 50 Fotos, erreichte ich nach knapp 1,5 Stunden wieder das Hotel.

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Heute nahmen wir unser Frühstück bei Sonnenschein auf einer Bank im Hyde Park zu uns. Nach kurzer Überlegung, entschieden wir, den Camden Market zu besuchen. Wir hatten nach den beiden vorherigen Marktbesuchen zwar schon eine Vorstellung, wie so ein Markt in London aussieht, aber der Camden Markt übertrifft jede Vorstellung von Größe. Gleich rechts, wenn man aus der Tube in Camden Town herauskommt, gelangt man in die Camden High Street. Hier gibt es zahllose Geschäfte mit den kuriosesten Artikeln und Modetrends. Es handelt sich hier nicht einfach nur um einen einzigen Markt, sondern eine Ansammlung von insgesamt 6 Marktbereichen, die teils nahtlos ineinander übergehen. Manche Bereiche von Ständen erinnerten stark an die Märkte an der tschechichen Grenze, wo Billigkleidung und gefälschte Markenware im Angebot sind. Der Stables Market, der sich teilweise auch unter der Erde befindet, bietet sogar zusätzlich Möbel an und die Kleidung ist wesentlich hochwertiger. Deswegen hatten seinerzeit sogar große Modeketten versucht, sich dort anzusiedeln. Erwähnenswert ist der Pub The Haley Arms, wo man gutes Bier gezapft bekommt. Günstiges Essen findet man an den Ständen auf dem ganzen Markt, teils schon ab 3-4 GBP. Hier wirklich komplett durchzulaufen und sich alles anzusehen, ist an einem Tag kaum zu schaffen.

Nachdem die Reizüberflutung ihren Höhepunkt erreichte, fuhren wir weiter nach Hampstead. Dieser Kurztrip war fest eingeplant, nur der Tag stand nicht fest und da wir nur wenige Stationen von Hampstead entfernt waren, bot sich ein Ausflug dorthin geradezu an. Hampstead ist ein idyllischer, nördlich von London liegender Stadtteil, der in früheren Zeiten bei Künstlern sehr beliebt war. Mittlerweile wohnen in diesem exklusiven Vorort zahlreiche Künstler der heutigen Zeit wie z.B. Herbert Grönemeyer. Hier machten wir den im Baedeker Reiseführer vorgeschlagenen Stadtrundgang, der sich prima dazu eignete, von der bisherigen Londoner Hektik herunterzukommen. Wer viel Zeit hat, sollte sich auch einen Tag im Park Hampstead Heath gönnen, eine Heidelandschaft mit zahlreichen Badeseen und wunderschöner Aussicht auf die Stadt. Da wir noch ins Musical wollten, fuhren wir gegen Nachmittag wieder zurück nach Camden Town, um uns dort auf dem Markt zu stärken. Danach ging es zurück ins Hotel zum Wechsel in die Abendgarderobe.

Nun komme ich zu der Bemerkung von vorhin: Wir waren relativ viel unterwegs und als wir dann in den Stalls im London Palladium Platz nahmen, machte sich eine bleierne Müdigkeit breit und ich hatte Mühe, bis zur Pause die Augen offen zu halten. Erst danach konnte ich dem Musical wieder uneingeschränkt folgen. Obwohl mir persönlich „Les Miserables“ besser gefiel, konnte ich mich für Cats begeistern. Ein tolles Musical mit tollen Darstellern und einem liebevoll gestalteten Bühnenbild. Auch ohne die bisherige Darstellerin, Nicole Scherzinger, waren die mehr als 2 1/2 Stunden ein Erlebnis. Wer sich jetzt dafür entscheiden möchte, ebenfalls dorthin zu gehen, muss ich leider enttäuschen. Cats wurde Ende April aus dem Programm genommen. Es soll aber ab 23.Oktober dieses Jahres aufgrund der hohen Nachfrage wieder zurückkehren. Man sollte sich aber auf jeden Fall für diesen Tag nicht zu viel, vor allem zu Fuß, vornehmen.

18.04.2015: British Library, British Museum und Heimreise

Da wir einen späten Flug (20 Uhr) für die Heimreise gebucht hatten, stellten wir die Koffer im Hotel ab und besuchten nach unserem ersten Frühstück im Hotel (was gar nicht mal schlecht war) die British Library. Nicht, um Bücher auszuleihen, sondern um uns die Treasures anzusehen. Hierbei handelt es sich um eine Ausstellung verschiedenster Schriftstücke aus vielen Jahrhunderten. Als Jane Austen Fan konnte meine Tochter dort ihre originalen Skripte und ihren mobilen Schreibtisch bewundern. Zudem gab es zahlreiche Touch-Bildschirme, mit deren Hilfe man auch in alten Büchern blättern konnte. Mich faszinierten die originalen Textschriften der Beatles, so dass ich mir vor Rührung fast schon eine Träne verkneifen musste. Musikliebhaber finden originale Notenschriften von Chopin oder Mozart. Zur Verbesserung der Atmosphäre konnte man sich einen Kopfhörer aufsetzen und den Stücken lauschen, während man auf die Noten in den Vitrinen blickt. Daneben findet man dort fast alles, von einer sehr gut erhaltenen Ausgabe der Gutenbergbibel bis hin zur Magna Carta oder asiatischen Büchern mit aufwändig gestalteten Farbillustrationen.

Als nächstes stand das British Museum auf dem Programm. Hier kann man Stunden oder auch Tage verbringen. Wenn man sich nur ein wenig mit den Ausstellungstücken beschäftigen möchte, sollte man sich vorher überlegen, was von Interesse ist. Auf der Homepage kann man sich ein PDF herunterladen für einen 1- und 3-Stundenbesuch. So kann man gezielt seinen Rundgang planen und verpasst keines der wichtigsten Exponate wie z.B. den Stein von Rosetta.

Da wir noch einiges an britischen Pfund hatten, fuhren wir etwas früher zum Flughafen, um uns dort umzusehen. Als erstes gab es ein ausgiebiges Abendessen, später kauften wir noch Hershey’s Schokolade vom Restgeld.

Die Abfertigung verlief dieses Mal schnell und da der Flieger nicht mal halbvoll war, durften wir uns die besten Plätze aussuchen.

Fazit

Nach 30 Jahren und kaum vorhandener Erinnerung an meinen ersten Besuch, habe ich London auf jeden Fall ins Herz geschlossen. Diese Stadt, mit all ihren Facetten und Möglichkeiten, ist wohl einmalig in der Welt. Es lohnt sich also nicht nur, nur für einen oder wenige Tage dorthin zu fahren. Man kann dort auch problemlos mehrere Wochen verbringen, ohne das es langweilig wird. Deswegen wird es auch nicht mein letzter Besuch gewesen sein. London! Ich komme wieder!

[Gesamt:7    Durchschnitt: 5.9/5]