Testbericht AUSDOM AD260 Dashcam mit Video und Bildern

Bisher stand ich dem Thema Dashcam im Auto eher negativ gegenüber, zumal der Einsatz in Deutschland eher kritisch zu sehen ist. Nachdem ich im Mai nach Mallorca fahre und dort auch einige Autotouren im Gebirge machen möchte, kam mir die Idee, dafür eine Dashcam zu benutzen. Bisher verwendete ich zum Filmen von Autotouren eine normale Digitalkamera, die ich meinem Beifahrer in die Hand drückte. Die Aufnahmen waren zwar nicht schlecht, aber doch ziemlich verwackelt, was aus der Hand heraus beim Fahren auch nicht zu vermeiden ist. Zudem besitzen normale Video- oder Digitalkameras keinen besonders großen Weitwinkel. Da in Spanien die Benutzung einer Dashcam absolut unkritisch ist, entschied ich mich für die AUSDOM AD260 ohne GPS, da diese Dashcam eine besonders hohe Auflösung mit einem großen Weitwinkel von 150° besitzen soll. Aber der Reihe nach….

Rechtliche Situation in Deutschland

Hier wird viel Unsinn verbreitet. Deswegen möchte ich etwas Aufklärung betreiben. Dashcams sind in Deutschland weder erlaubt noch verboten. Wir befinden uns also in einer Grauzone. Das liegt zum Teil daran, dass es keine eindeutigen, gesetzlichen Regelungen gibt. Auf der anderen Seite existieren auch keine höchstrichterlichen Urteile wie beispielsweise vom BGH. Solange man die Videos für rein private Zwecke verwendet, können diese auch mit Kennzeichen und Gesichtern, also den persönlichen Merkmalen, abgespeichert werden. Sobald ich diese Videos aber im Internet einstelle, sind einige Dinge zu beachten. Es dürfen keine Kennzeichen oder Gesichter auf den Videos zu erkennen sein! Bei einem Unfall sind solche Videos eigentlich nicht als Beweismittel zugelassen. Nutze ich beispielsweise den G-Sensor, um den Verursacher eines Parkremplers ausfindig zu machen, darf ich die Aufnahmen eigentlich nicht zur Beweissicherung verwenden! Auch nicht bei einem Unfall mit Blechschaden (AG München, Az. 345 C 5551/14, vom 13.08.2014: Beweissicherungsverbot!). Aber gemäß einem Urteil des AG Nürnberg (Az.: 18 C 8938/14), wurde dieses von einem Kläger wiederum zugelassen und diente dem Kläger auch als Vorteil, da er seinen Schaden ersetzt bekam. Natürlich kann man sich in einem solchen Fall auch selbst belasten und sollte sich dann auch sicher sein, dass der Beklagte wirklich der Schuldige bei einem Unfall ist. Aus meiner Sicht ist die Zulässigkeit als Beweismittel umso wahrscheinlicher, umso schlimmer der Unfall ist. Bei einem Unfall mit Schwerverletzten, wo vielleicht sogar jemand Fahrerflucht begeht, muss es aus meiner Sicht erlaubt sein, die Aufnahme einer Dashcam als Beweismittel zuzulassen, was vermutlich dann auch der Fall sein wird.

Aus diesem Grund habe ich mein kurzes Fahrvideo auch an vielen Stellen geschnitten, damit keine Nummernschilder oder Gesichter zu erkennen sind.

Genug der rechtlichen Vermutungen. Was bekommt man für mehr als 100 EUR geboten? Die Frage will erlaubt sein, denn viele Dashcams sind deutlich günstiger.

Lieferumfang

Geliefert wird die AUSDOM AD260 zusammen mit einem Saugnapfhalter für die Windschutzscheibe, einem circa 3,50 Meter langem USB-Kabel, einem USB-Ladegerät für den Zigarettenanzünder, sowie einer Anleitung, die auch einen deutschsprachigen Teil enthält.

AUSDOM AD260

Design und Verarbeitung

Hier erkennt man schnell den Unterschied zu den Billigmodellen. Die Kamera besteht größtenteils aus einem Metallgehäuse und ist dementsprechend etwas schwerer als Vollplastikmodelle.

AUSDOM AD260Fast alle Anschlüsse sind gut geschützt hinter einer Plastikabdeckung untergebracht,

AUSDOM AD260nur der USB-Anschluss ist frei zugänglich. Die seitliche Umrahmung aus gebürstetem Metall ist sehr gut entgratet, scharfe Kanten sucht man vergeblich. Der Halter macht ebenfalls einen sehr stabilen Eindruck. Er saugt sich mit Kraft an der Frontscheibe fest und hat keine Probleme mit dem Gewicht der Kamera. AUSDOM AD260Insgesamt kann man die Verarbeitung der Dashcam als überdurchschnittlich gut bezeichnen.

Technische Daten und Eigenschaften

Mit einem Gewicht von exakt 120 Gramm ist die Kamera kein Leichtgewicht mehr, könnte aber dennoch auch zweckentfremdet, beispielsweise an einem RC-Modell befestigt werden. Die Abmessungen sind mit 10,3 x 4,5 x 1,4 cm (Länge x Breite x Tiefe) dennoch kompakt, so dass die Dashcam hinter der Windschutzscheibe nicht besonders auffällig ist.

AUSDOM AD260Sie besitzt einen 150° Weitwinkel, der mir beim Betrachten der Aufnahmen deutlich größer vorkommt und eher in der Nähe von 175 ° liegen dürfte. Mit einer Blendenzahl von 2.0 besitzt die AD260 eine sehr hohe Lichtstärke. Meine Bridgekamera Panasonic FZ150 besitzt beispielsweise nur eine minimale Blendenzahl von 2,8. Je niedriger der Wert, umso größer öffnet die Blende und umso mehr Licht erreicht den Sensor. Das 2,7″ große Display bietet eine Auflösung von 960 x 240 Pixel. Beim verbauten Sensor, handelt es sich um einen 1/3″ Sensor mit 4 MP. Das entspricht der Sensorgröße, wie man sie beispielsweise in einem iPhone 6 findet.

Es werden die folgenden Videoauflösungen unterstützt:

– 2560 x 1080/30p 21:9

– 2304 x 1296/30p 16:9

– 1920 x 1080/45p 16:9

– 1920x 1080/30p 16:9

– 1920 x 1080/30p HDR16:9

Ich selber nutze im Augenblick noch die Auflösung 1920 x 1080/45 16:9 ohne HDR. HDR bedeutet „High Dynamic Range Image“. Dabei werden mehrere Bilder mit verschiedenen Belichtungen erzeugt, um die natürlichen Helligkeitsunterschiede auszugleichen. Über- und Unterbelichtungen werden so zu einem HDR-Bild zusammen gerechnet. Gerade beim Auto fahren ist das wichtig, da sonst bei Sonneneinstrahlung von vorne die Videos viel zu hell und überbelichtet wären.

Der G-Sensor ist in 3 Stufen konfigurierbar (Low / Medium / High / Off) und startet bei einem entsprechenden „Ereignis“ die Aufnahme einer Videoaufzeichnung, wenn der Parkmonitor aktiv ist. Bei einem Parkrempler oder Unfall wird die Aufnahme in den geschützten Ordner „EVENT“ abgelegt und kann nicht mehr überschrieben werden, wie die „normalen“ Aufnahmen. Ein Bewegungssensor ist ebenfalls mit an Board und so kann die Aufzeichnung auch bewegungsgesteuert gestartet werden. Der integrierte Akku von 250 mAh ist recht knapp bemessen. Das liegt daran, dass dieser nur dazu dient, im Parkmodus eine Aufzeichnung zu machen, da dann bei vielen Pkws der Zigarettenanzünder stromlos ist. Das ist also ein Feature und kein Mangel, da andere Kameras oft gar keinen Akku besitzen.

Die Aufnahme kann manuell oder über das Anlassen des Autos gesteuert werden. Bei der automatischen Aufnahme stoppt diese auch wieder beim Abstellen des Pkws mit einer kurzen Verzögerung. Das funktioniert aber nur dann, wenn der Zigarettenanzünder im ausgeschalteten Zustand stromlos ist. Steht die Buchse unter Dauerstrom, muss die Aufnahme manuell gestartet werden. Die Speicherung der Videos findet in sogenannten „Schleifen“ statt. Es wird bis zu einer vorgegeben Zeit aufgenommen und in eine Datei geschrieben. Dies können, 1, 3 oder 5 Minuten sein. Das bedeutet, es wird dann alle 1, 3 oder 5 Minuten eine neue Datei erzeugt. Bei Erreichen des maximalen Speicherplatzes, werden die älteren Dateien überschrieben. Bei einem „Ereignis“, wie z.B. einem Unfall, wird die Aufnahme vor versehentliche Löschen geschützt.

Während der Aufnahme ist die Einblendung von Datum und Uhrzeit möglich. Ebenso kann man das Kennzeichen oder den Fahrernahmen eingeben und diesen ebenfalls einblenden lassen.

Auch an Sicherheitsfeatures wurde gedacht. Man findet sowohl einen Spurassistent, als auch einen Abstandssensor. Beides funktioniert hinreichend genau, wenn man zuvor die Kalibrierung durchführt. So ertönt bei zu dichtem Auffahren oder Verlassen der Spur ein Warnsignal.

Die Halterung ist in vertikaler und horizontaler Achse verstellbar. Dadurch, dass die Horizontale Achse um 360 ° eingestellt werden kann, lässt sich auch der Innenraum filmen, auch mit Tonaufzeichnung durch das eingebaute Mikrofon. Das ist ein nettes Feature für Ferienfahrten mit der ganzen Familie.

Die Dashcam besitzt verschiedene Anschlüsse. Auf der Unterseite befinden sich ein mini-HDMI-Anschluss, ein microSD-Kartenleser, der bis zu 64 GB große Karten unterstützt, sowie ein USB-Anschluss zum Laden und verbinden mit dem PC.

Einbau und Bedienung

Der Einbau war bei mir in wenigen Minuten erledigt. Da das Kabel mit fast 3,5 Meter recht lang ist, reicht es locker von der Zigarettenanzünderbuchse bis zur Dashcam, obwohl ich einen größeren Van fahre. Dabei habe ich das Kabel natürlich ordentlich verlegt, so dass es fast gar nicht sichtbar ist und sich innerhalb der A-Säule und im Himmel befindet.

AUSDOM AD260Der Saugnapf wird einfach auf die Windschutzscheibe gedrückt und durch Drehen des großen Drehknopfes um 90° nach rechts arretiert. Der dabei entstehende Unterdruck hält die Kamera bombenfest an der Windschutzscheibe. Sie besitzt im Edelstahlrahmen eine Nut, mit der sie auf den Halter gesteckt und dann seitlich eingeschoben wird. Die Verbindung wirkt vertrauenerweckend und stabil. Nun kann man die Position der Kamera in der horizontalen Ebene ausrichten. Hierzu dreht man sie einfach entsprechend, was aus meiner Sicht etwas zu leichtgängig ist, so dass bei besonders starken Erschütterungen nicht auszuschließen ist, dass sie ihre Position verändert. Die vertikale Ausrichtung ist mit einem Drehregler deutlich besser gelöst. Der Einstellwinkel ist nicht angegeben, reicht aber locker aus, jede gewünschte Position zu erreichen. Nach dem Festziehen des Drehreglers, bleibt die eingestellte Position im Gegensatz zur horizontalen Position sicher bestehen.

Die Bedienung der AUSDOM AD260 über die angebrachten Tasten ist einfach. Mit der „Menü“-Taste gelangt man ins Menü. Dort kann man mit den beiden Pfeiltasten durch die einzelnen Einstellungen wechseln und mit Auswahl durch die „OK“-Taste die betreffende Einstellung anpassen.

AUSDOM AD260Zur Aufnahme eines Bildes nutzt man die „Foto“-Taste. Die Wiedergabe von Videos steuert man über die „Play“-Taste.

Video und Bildqualität

Hier war ich doch sehr angenehm überrascht. Der Weitwinkel ermöglicht eine extrem gute Übersicht über beide Fahrspuren, auch wenn die Fahrbahn sehr breit ist. Die Qualität der Aufnahmen ist extrem gut und auch bei schnellen Kurvenfahrten nie verpixelt. Details sind sehr gut erkennbar und Kennzeichen sind bei der späteren Wiedergabe im Standbild problemlos ablesbar. Der von mir befürchtete Fischaugeneffekt ist zwar erkennbar, aber nur sehr zurückhaltend.

Die Nachtaufnahmen gefallen mir aber weniger gut. Auf der Landstraße, wo nur die eigenen Scheinwerfer eingeschaltet sind, sind die Kennzeichen entgegen kommender Fahrzeuge nicht mehr zu erkennen und die Videos sehr dunkel. Kommt Straßenbeleuchtung durch Geschäfte und Laternen hinzu, relativiert sich das ein wenig, da man dann wieder recht viel auf den Videos erkennen kann.

Videos werden im „MOV“-Format und Bilder im „JPG“-Format erstellt.

Insgesamt bin ich aber mit der Qualität der Videos und Bilder sehr zufrieden, da diese weitaus besser ist, als bei den „preiswerteren“ Konkurrenzmodellen und ich die Dashcam überwiegend am Tag einsetzen werde.

Nach meinem Urlaub (Ende Mai), werde ich die Ergebnisse der Fahrten auf Mallorca in Videoform veröffentlichen. Näheres dazu findet Ihr dann in meinen Kommentaren.

Fazit

Ich bin mit dieser kleinen Dashcam wunschlos glücklich. Sie gehört zwar nicht zu den billigsten Modellen, bietet dafür aber auch einiges mehr. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hochwertig und durch den gebürsteten Metallrahmen wirkt die Kamera fast schon edel. Die Installation ist sehr einfach und die Befestigung solide. Die Einstellung der gewünschten Parameter ist aufgrund der einfachen Bedienung kein Problem. Das eingebaute Mikrofon und die 360° Verstellung der horizontalen Ebene sorgen für Abwechslung, um auf Ferienfahrten mit der Familie den Innenraum samt Tonaufnahme zu filmen.

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Preis: EUR 66,99
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Die Aufnahme des Verkehrsraums gelingt aufgrund der sehr hohen Bildqualität und des extremen Weitwinkels enorm gut. Kennzeichen sind bei Tageslicht problemlos erkennbar. Besonders gut gefallen mir auch die zahlreichen Zusatzfeatures wie Park“sensor“, Spur- und Abstandsassistenten, sowie die Möglichkeit, die Aufnahmeeigenschaften wie Dauer, Auflösung, Bildparameter oder zusätzliche Einblendungen individuell auswählen zu können. Das große Display ist gut aufgelöst und ablesbar, so dass man damit auch die Aufnahmen an einem Unfallort direkt sichten kann, um die Lage zu beurteilen. In Summe kann ich diese Dashcam vorbehaltlos weiter empfehlen, da ich das Preis-Leistungs-Verhältnis als sehr gut betrachte.

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