Testbericht BenQ treVolo – Edles Design trifft phantastischen Klang

Ich besitze schon diverse Bluetooth-Lautsprecher in verschiedenen Qualitäten und eine sehr gute, kompakte Stereoanlage. Ich habe mir schon lange einen Ersatz für meine Stereoanlage gewünscht, da diese relativ schwer ist und sich nicht unbedingt dazu eignet, auch wegen der Verkabelung, in der Wohnung umher getragen zu werden. Bisher konnte keine meiner Bluetooth-Boxen meiner Stereoanlage das Wasser reichen. Deswegen war ich, insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Preises, sehr neugierig, ob mir diese Box einen Mehrwert bringt.

Was ist überhaupt ein elektrostatischer Lautsprecher?

Herkömmliche Lautsprecher bestehen aus einer Membran und einer Spule, die sich in einem magnetischen Feld befindet. Der Klang entsteht nun durch die anliegende Spannung, die das mit der Spule verbundene Membran in Schwingung versetzt. Die Ansprechzeit ist aufgrund der unvermeidbaren Trägheit der Spule geringer als bei elektrostatischen Lautsprechern. So entsteht bei minderwertigen Lautsprechern oft ein verwaschener Sound.

Elektrostatische Lautsprecher arbeiten nach einem anderen Prinzip. Eine elektrisch leitende, großflächige Folie wird direkt mit einer hohen Spannung über einen Kondensator angesteuert. Probleme bezüglich Trägheit findet man hier nicht, jedoch sind Elektrostaten nicht zur Wiedergabe tiefer Frequenzen geeignet. Solche Lautsprecher gibt es schon seit Jahrzehnten, hatten sich aber nie wirklich durchgesetzt. Sie bieten auch einen Formvorteil, da man sie sozusagen in jeder Form produzieren kann. Aufgrund der direkten Ansteuerung werden die Frequenzen sauber getrennt, was für sehr natürlichen Klang sorgt. Verzerrungen sind elektrostatischen Lautsprechern daher fremd.

Was muss ich bei der Aufstellung elektrostatischer Lautsprecher beachten?

Ein entscheidender Punkt, den ich auch aus vielen Rezensionen hier herauslesen konnte, ist der Ort der Aufstellung. Elektrostaten geben den Klang quasi in alle Richtungen ab, jedoch gegenphasig. Die führt bei falscher Aufstellung zu Interferenzen durch Reflexionen an Wänden. Auch die Aufstellung direkt am Boden sollte vermieden werden. Idealerweise sollte der Abstand zur Wand ca. 1 Meter betragen und vom Boden am besten noch mehr.Nur so kann sich der Klang optimal entfalten. Dies gilt nicht nur für den BenQ treVolo, sondern ist bei allen elektrostatischen Lautsprechern so. Manche mögen das als Nachteil sehen, aber wer sich ein Dolby Surround System zulegt, wird es auch nicht als Nachteil empfinden, diese optimal im Raum platzieren zu müssen, um einen räumlichen Klang zu erreichen.

Lieferumfang

Der BenQ treVolo kommt in einem etwas größeren und recht schweren Karton daher, der bezüglich Abmessungen und Gewicht schon einmal alles bisherige übertrifft. Der Lieferumfang ist dann aber doch recht übersichtlich: Neben der Box findet man noch ein Netzteil und eine deutsche Schnellanleitung, die auch wirklich verständlich formuliert ist.

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Da ich schon zahlreiche 3,5 mm Klinkenkabel und auch genügend USB-Kabel besitze, stört es mich nicht weiter, das diese nicht zum Lieferumfang gehören. Auf der einen Seite ist das gut für die Umwelt, auf der anderen Seite könnten mache diesen Umstand auch bemängeln, wenn sie diese Kabel nicht besitzen und dazu kaufen müssen.

Technische Daten

  • Frequenzgang: 60 Hz bis 20 kHz
  • Leistung: 16 Watt (Hier fehlt leider die Angabe ob RMS oder Maximalleistung)
  • Akkulaufzeit: 12 Stunden über integrierten Lithium-Ionen-Akku
  • Bluetooth-Version: 4.1 mit aptX-Unterstützung
  • Anschlüsse: 3,5 mm Klinke Ein- und Ausgang, sowie USB-Audio über microUSB
  • Integriertes Mikrofon
  • Gewicht: 1,2 kg

Besonders hervorzuheben ist der microUSB-Port, mit dem der BenQ treVolo nach Anschluss an den PC wie eine Soundkarte funktioniert.

BenQ treVolo

Durch den 3,5 mm Klinkenausgang könnte man das Bluetooth-Signal über den BenQ treVolo auch an eine Stereoanlage weiterleiten. Hier fungiert der BenQ treVolo dann als Bluetooth-Empfänger.

Es gibt aber auch Schattenseiten: Es fehlt ein Kartenleser. Ein USB-Port zur Aufnahme eines USB-Sticks oder einer USB-Festplatte fehlt ebenfalls. Ob es dennoch möglich ist, Audioinhalte von solchen Medien abzuspielen, kann ich mangels Adapter von USB auf microUSB nicht beurteilen. Ein FM-Radio wäre ebenfalls eine interessante Zugabe gewesen.

Wer tieferes Interesse an dem Aufbau des BenQ treVolo hat, kann auf der Produktwebseite eine ungewöhnliche Explosionsansicht über den Aufbau der Box anschauen. Hier ist von jedem Einzelteil ein Foto abgebildet. Darauf erkennt man auch den integrierten Akku, der jedoch nur vom Support ausgetauscht werden kann.

https://www.trevolomusic.com/

Verarbeitungsqualität und Design

Optisch überzeugt mich der BenQ treVolo auf Anhieb. Das hohe Gewicht deutet schon eine gehobene Qualität an, die sich bei näherer Betrachtung auch bestätigt. Überwiegend kommen metallische Werkstoffe zur Anwendung und die Verarbeitung ist als absolut sauber und hochwertig zu bezeichnen. Der Rahmen besteht komplett aus gebürstetem, dicken Metall. Die 18 Bohrungen über den beiden dynamischen Boxen sind nicht nur entgratet, sondern leicht angeschliffen, was einen edlen Eindruck hinterlässt.

BenQ treVolo

Das Gitter dahinter besteht zwar aus Plastik, ist aber durch den Rahmen vor versehentlichen Eindrücken geschützt.

Bei den Seitenteilen kommt Kunststoff zur Anwendung, wobei die passiven Membrane ein Metallgitter besitzen.

BenQ treVolo

Die Taster zur Bedienung sind besonders groß und stabil ausgeführt, mit einem sehr angenehmen Druckpunkt.

BenQ treVolo

BenQ treVolo

Die beiden flachen Elektrostaten

BenQ treVolo

lassen sich sanft ausklappen und schwingen dann von ganz alleine in Position. Auch hier schützen Metallgitter vor Beschädigungen der Membran.

BenQ treVolo

Eine durchgängige Rutschhemmung auf der Unterseite sorgt für sicheren Stand.

BenQ treVolo

Insgesamt wirkt die nicht ganz so kleine Box sehr edel und wird so alleine schon in optischer Hinsicht zum Hingucker in jedem Wohnzimmer.

Bedienung

Auch ohne die Schnellanleitung ist die Bedienung kein Geheimnis. Wer es ausführlicher möchte, kann sich auf der Homepage von BenQ auch eine ausführliche Anleitung herunterladen, die leider nur in englischer Sprache erhältlich ist. Vor dem ersten Einschalten, sollte man den Akku laden. Das dauert ungefähr 3 Stunden. Die Kapazität des Akkus wird über die Farbe des LED-Rings am Einschaltknopf angezeigt. Zwischen 81% und 100% Kapazität leuchtet die LED in blau, bei 31 % bis 80 % in grün und unterhalb 31 % in rot. Alternativ kann man die App „treVolo“ installieren. Hiermit wird die Akkukapazität genauer und in 1 % Schritten angezeigt.

BenQ treVolo

Die App ermöglicht auch die Änderung der Klang Presets. Davon gibt es insgesamt drei, rein, lebhaft und warm. Hier muss jeder für sich selber herausfinden, bei welcher Musik er welches Preset bevorzugt. Die Presets sind aber auch direkt über die Mode-Taste auswählbar, so dass die App eigentlich keinen sinnvollen Nutzen hat. Nach dem Blick in die ausführliche Anleitung, war ich dann doch etwas perplex, denn dort gibt es Screenshots von dieser App mit deutlich mehr Funktionen wie einem Sleeptimer etc, welcher auch extra beworben wird. Daneben sieht man dort auch, dass ein Streaming-Client integriert ist. Dies nahm ich zum Anlass, den Support zu kontaktieren, wo mir folgendes mitgeteilt wurde:

Die App wurde aus Gründen der Verschlankung in einem der letzten Updates im Funktionsumfang reduziert. Der Sleeptimer ist entfallen, ebenso der Streaming Client. Tatsächlich besitzt der BenQ treVolo keinen eigenen Sleeptimer, sondern die App hatte nur die Wiedergabe nach einer vorgegeben Zeit gestoppt, wonach der BenQ treVolo sich dann ausschaltet. Dazu braucht man dann die App wirklich nicht, denn wenn man im Google Play Store die Anwendung „Sleep Timer (Musik aus)“ sucht und installiert, kann man die Wiedergabe genauso steuern und die Wiedergabe nach festgelegter Zeit stoppen, so dass sich kurz danach der BenQ treVolo ausschaltet. Den Streaming Client hatte ich ohnehin nicht vermisst, da es derer genug im Play Store gibt. Fürs iPhone findet man die Anwendung „Music Sleep Timer“ im App Store. Die Angaben auf der Homepage zur App werden umgehend angepasst.

Die Kopplung des ersten Gerätes ist sofort nach dem Einschalten möglich, für die erneute Kopplung oder Verbindung weiterer Geräte nutzt man die Bluetooth-Taste an der Geräterückseite.

Während der Wiedergabe über Bluetooth, sind die Tasten für die Lautstärke doppelt belegt. Allerdings logischer und einfach als es bei anderen Boxen der Fall ist. Möchte man einen Titelsprung durchführen, hält man die Mode-Taste gedrückt und betätigt zeitgleich die „+“ oder „-„-Taste. Wer eine Mute-Taste vermisst, erreicht dieselbe Funktionalität durch gleichzeitiges Betätigen beider Tasten zur Lautstärkeregelung. Drückt man eine der beiden Tasten erneut, wird der Ton wieder eingeschaltet.

Klangqualität

Elektrostatische Lautsprecher sind keine Party-Lautsprecher und bieten keine extrem hohen Lautstärken. Deswegen besitzen HighEnd-Systeme oft eine Kombination aus dynamischen und elektrostatischen Lautsprechern. Beim BenQ treVolo gibt es neben den beiden elektrostatischen Lautsprechern in den Flügeln auch 2 dynamische Boxen in der Front, die zudem noch 2 passive Membrane an den Seiten ansteuern. Dies sorgt dafür, dass auch die tiefen Töne nicht zu kurz kommen.

Im Test habe ich die Box in der Raummitte auf einen Raumteiler gestellt. So befindet sie sich etwa auf einer Höhe von 1,50 Meter und besitzt ausreichend Platz zur Wand. Der Klang hat mich dann auch sehr beeindruckt. Nachdem ich verschiedene Songs aus allen Stilrichtungen und Quellen abgespielt habe, kann ich dem BenQ treVolo tatsächlich eine überragende Klangqualität bescheinigen. Man hört viel mehr Details heraus, als mit herkömmlichen Boxen. Der Klang wirkt sehr viel natürlicher, egal ob Rock oder Klassik. Die Bässe empfinde ich als sehr gut. Sie dominieren nicht, sondern tun das, wofür Bässe eigentlich gedacht sind, nämlich der Musik mehr Volumen und Ausdruck zu verleihen und nicht, wie man es von manchen Car-Hifi-Systemen her kennt, die Scheiben aus dem Rahmen zu drücken. Man braucht ein noch intaktes Gehör, um diese Feinheiten zu erkennen. Wer permanent basslastige Musik in Clubs bei voller Lautstärke hört, wird den Unterschied vermutlich nicht erkennen, sondern nur den fehlenden Bums vermissen. Dann sollte man sich das Geld sparen und auf ein anderes System zurückgreifen, welches man in der Tat für deutlich weniger Geld bekommt.

Nachdem mich der Klang über Bluetooth und den Line-In Eingang überzeugte, probierte ich die Box an meinem Digitalpiano aus, dessen eingebaute Boxen extrem schlecht klingen. Hier zeigte sich eine weitere Stärke dieses Systems: Der Klang übertrifft alles, was ich bisher an mein Piano angeschlossen hatte, sogar meine Stereoanlage, die ich bisher zur Wiedergabe benutzte. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, man spielt auf einem richtigen Klavier. So natürlich hatte ich den Sound meines Digitalpianos noch nie gehört und auch niemals erwartet, dass eine solche Steigerung möglich wäre.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich den integrierten DSP-Chip, der dank TrueSound-Technologie Signale mit schlechter Qualität und schlechten Bitraten verbessern soll.

Konnektivität

Die gängige Anbindung erfolgt wohl meist per Bluetooth-Kopplung mit einem Smartphone oder Tablet. Ich nutze aber auch gerne den Line-In Eingang in Verbindung mit meinem MP3-Player oder Digitalpiano.

Über den microUSB-Port ist der Anschluss an einen PC möglich und so lässt sich der BenQ treVolo auch als PC Lautsprecher einsetzen. So kann man neben dem Abspielen von Musikdateien die Box auch für die Wiedergabe des Tons in Filmen nutzen.

Der Line-Out Ausgang ist eine nette Idee und ermöglicht den Einsatz des BenQ treVolo als Bluetooth-Receiver, wobei es dafür aber kompaktere Lösungen gibt.

Fazit

Ich bin mit dem BenQ treVolo hochzufrieden. Er klingt besser als meine herkömmliche Stereoanlage und zeigt selbst bekannte Songs noch einmal von einer ganz anderen Seite. Der Klang ist sehr ausgewogen und detailliert, so dass man wirklich jedes Instrument genau heraushören kann. Dadurch eignet sich der BenQ treVolo auch hervorragend als Wiedergabegerät für mein Digitalpiano. So nahe an der Realität habe ich mein Instrument noch nie erlebt. Neben dem sehr guten Klang, gefällt mir der BenQ treVolo auch optisch sehr gut. Mit ausgeklappten Flügeln schaut er schon aus, wie eine kleine, edle Kompaktanlage.

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Es gibt aber auch noch einige offene Punkte auf meiner Wunschliste. So wäre ein FM-Radio und microSD-Kartenleser eine nette Zugabe gewesen und die App BenQ Audio vermag mich nicht zu überzeugen, da man auf sie getrost verzichten kann. Stattdessen kann man sich jedoch mit entsprechenden Apps aus dem Play oder App Store behelfen. Aufgrund der automatischen Abschaltung bei gestoppter Wiedergabe, lässt sich so der Funktionsumfang der kleinen Box ein wenig erweitern.

[Gesamt:1    Durchschnitt: 10/5]

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