Testbericht Erfahrungsbericht Oukitel U20 Plus mit Dual Kamera und FullHD Display

Sehr gut verarbeitetes und preiswertes Smartphone – Sogar mit Dual Kamera, FullHD-Display, Gyroskop und Fingerabdrucksensor
Smartphones bekannter Markenhersteller kosten ohne Vertragsbindung fast ein kleines Vermögen. Als Alternative dazu bieten viele chinesische Hersteller sehr gut ausgestattete Smartphones für den Bruchteil des Preises eines Markengerätes an. Nachdem ich schon diverse Geräte wie beispielsweise das Vernee Mars besitze, konnte ich bereits einen groben Überblick über die Vor- und Nachteile solcher Geräte gewinnen.

Umso gespannter war ich auf meine nächste Errungenschaft, dass erste Billig-Smartphone des chinesischen Herstellers Oukitel, das auf den Namen „U20 Plus“ hört und welches zu einem aktuellen Straßenpreis von etwa 120 EUR angeboten wird und damit deutlich günstiger ist, als vergleichbar verarbeitete Markengeräte. Natürlich ist ein so günstiger Preis ohne Abstriche in einigen Punkten nicht machbar. Die Frage ist, wie schmerzhaft diese Abstriche sind und ob man gut damit leben kann. Das habe ich in meiner ausführlichen Rezension mit Videoreview und zahlreichen Bildern beleuchtet.

Lieferumfang – Was bekommt man für knapp 120 EUR?

Die Verpackung macht schon einmal einen guten Eindruck. Man erhält einen stabilen Pappkarton, der gleich nach dem Abheben des Deckels den Blick auf das Oukitel U20 Plus schweifen lässt. Darunter befinden sich die weiteren Zubehörteile:Ein micro-USB Ladekabel, ein Steckerladegerät, eine Kurzanleitung und ein Auswurf-Pin für die SIM-Karte. Daneben ist noch eine Silikonhülle enthalten und eine Displayschutzfolie, die schon blasenfrei am Smartphone angebracht wurde.

Technische Daten – Was steckt drin ? – Benchmarks und Bewertung

Als Display kommt ein 5,5″ IPS-Panel von Sharp mit einer Full-HD-Auflösung von 1920 X 1080 Pixel mit einer Pixeldichte von 401 PPI zum Einsatz, genau wie bei meinem Vernee Mars. Das ist insofern überraschend, denn das Vernee Mars kostet immerhin mehr als das Doppelte und normalerweise ist bei Smartphones in dieser Preisklasse nur ein HD-Display verbaut. Ich gehe sogar davon aus, dass es sich um dasselbe Display handelt.

Der MediaTek Vierkern-Prozessor MT 6737T Helio taktet mit 1,5 Ghz und ist damit ein deutlich schwächerer Prozessor mit weniger Rechenkernen, als man ihn in Mittelklassesmartphones wie dem Vernee Mars vorfindet. Im AnTuTu Benchmark kommt das Oukitel U20 Plus damit auch nur auf 39292 Punkte, etwa 10000 Punkte weniger, als mein Vernee Mars mit Achtkern-Prozessor. In Anbetracht des Preises aber ein guter Wert.Mit 2 GB Arbeitsspeicher besitzt das Oukitel U20 Plus noch ausreichend Speicher um auch mehrere Anwendungen parallel geöffnet zu halten, sofern man es nicht übertreibt. Obwohl mein betagtes UMI Iron Pro sogar 3 GB Arbeitsspeicher besitzt, konnte ich aber im Vergleich keine Unterschiede feststellen, wenn viele Anwendungen geöffnet sind. Der integrierte Datenspeicher ist mit 16 GB nicht wirklich hoch, zudem 7 GB von Android belegt sind und damit nur 9 GB zur Nutzung verbleiben. Mit Android 6 hat man aber die Möglichkeit, den Arbeitsspeicher des Geräts mit dem einer zusätzlichen microSD zu einem Gesamtspeicher zu kombinieren. Durch die inoffizielle Unterstützung von bis zu 128 GB großen microSD-Karten ist so der Gesamtspeicher auf bis zu üppige 144 GB erweiterbar! Mit einer Schreibgeschwindigkeit von etwa 45 MB/s und einer Lesegeschwindigkeit von beinahe 200 MB/s erreicht der Speicher gute Werte, welche aber deutlich unter denen eines flotten SSD-Speichers liegen, aber immer noch deutlich besser sind, als die meines Cubot Max (60 MB/s lesen und 80 MB/s schreiben).Die RAM-Geschwindigkeit ist mit 4,4 GB/s auch recht flott. Nur deutlich teurere Geräte schaffen Spitzenwerte jenseits der 6 GB/s.

Als Rückkamera ist ein 13 MP-Sensor von Sony verbaut. Ein recht heller Blitz ist obligatorisch und auch gut als Taschenlampe zu gebrauchen. Die Frontkamera nutzt einen 5 MP-Sensor (Interpoliert auf 8 MP) und besitzt keinen Blitz. Als Gimmick ist noch eine zweite Kamera an der Rückseite verbaut mit 0,3 MP, welche aus der Rückkamera eine Dualkamera macht.

Geladen und mit dem PC verbunden wird das Oukitel U20 Plus per mitgeliefertem micro-USB Kabel. Der nicht austauschbare Akku besitzt eine Kapazität von 3300 mAh und wird mit dem beiliegenden Netzteil mit maximal 1 A geladen.

Als Sicherheitsfeature ist neben den bekannten Methoden auch ein Fingerabdrucksensor enthalten.

Ein Update auf Android 7 wird noch nicht angeboten und vermutlich in Anbetracht des günstigen Preises auch nicht kommen.

Für die Datennutzung sind die üblichen Netze wie 2G, 3G und 4G (LTE) verfügbar. Das sagt aber noch nicht viel aus. Wichtig sind auch die unterstützten Bänder. Hier wird B1, B3, B7 und B20 angegeben. Das entspricht 800MHz, 1800 Mhz, 2100 Mhz und 2600 Mhz. Das Band B20 ist aber bei vielen Smartphones aus Fernost NICHT enthalten, auch nicht bei meinem UMI Iron Pro. Viele ländliche Gegenden sind jedoch mit 800 Mhz angebunden, speziell zur Umsetzung von LTE zu DSL. Der Grund ist, dass man mit 800 Mhz eine höherer Reichweite hat und man weniger Funkmasten braucht. Dafür ist die Geschwindigkeit langsamer als mit 1800 Mhz und 2600 Mhz, wo man Bruttoraten bis 100 Mbit/s. erreicht. Dies wird häufig von T-Mobile eingesetzt. Im Klartext: Wer sein Smartphone hauptsächlich mit LTE in ländlichen Regionen nutzen möchte, wird mit diesem Gerät keine Probleme haben, im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones aus Fernost.

Mit 195 Gramm Nettogewicht ist das Oukitel U20 Plus in Verbindung mit den großen Abmessungen von 154 mm X 77,5 mm nicht mehr leicht und liegt so fast schon klobig und schwer in der Hand. Mit 8,5 mm ist es zudem auch noch recht dick im Vergleich zu anderen Geräten, die dafür aber auch mehr kosten.

Da mir meine Gesundheit wichtig ist, habe ich mir auch die Mühe gemacht, den SAR-Wert nachzuforschen. Nach Rückfrage erhielt ich vom Anbieter den 170 Seiten dicken SAR-Report, den ich erst einmal durcharbeiten musste. Der SAR-Wert wurde von einem Labor unter allen möglichen Bedingungen gemessen. Als Endergebnis ergab sich ein maximaler Wert für den Kopf von 0,264 Watt/kg bei 0 mm Abstand, was ein sehr geringer Wert ist. Am Körper wurde bei 5 mm Abstand ein Wert von maximal 0,859 Watt/kg ermittelt. Der Maximalwert beinhaltet wirklich alles in Summe von LTE, über WiFi bis hin zu Bluetooth.

Der GPS Fix mit 3D war bei mir in 20 Sekunden erledigt:Ansonsten verfügt das Oukitel U20 Plus natürlich über die üblichen technischen Features, wie WLAN und diverse Sensoren, wobei sogar ein Kompass und Gyroskop verbaut sind, entgegen den Aussagen in diversen anderenTestberichten. Auch das ist bei Billiggeräten eher die Ausnahme.

Die technischen Daten lassen somit zumindest teilweise auf einiges hoffen.

Design und Verarbeitung – Kann sich das Oukitel U20 Plus sehen lassen?

Das lässt sich auf jeden Fall bejahen. Die ausschließliche Verwendung von Kunststoff tut der Optik keinen Abbruch.Von weitem würde man vermuten, es wäre aus Aluminium gefertigt.Erst wenn man es in die Hand nimmt, fühlt man, dass es sich um ein aus billigen Materialen hergestelltes Smartphone handelt. Dennoch ist die Verarbeitung akzeptabel. Es finden sich weder scharfe Kanten, noch ungewöhnlich hohe Spaltmaße.Im Vergleich zu teuren Geräten bleibt die Verarbeitungsqualität aber doch etwas zurück. So steht z.B. der SIM-Einschub etwas heraus und das Smartphone ist auch nicht so verwindungssteif wie mein Vernee Mars. Es lässt sich relativ leicht durchbiegen. In Relation zum günstigen Preis geht das aber in Ordnung.

Auf der Suche nach Angaben zum Displayglas wurde ich nicht fündig. Hier hält sich der Hersteller bedeckt. Demnach glaube ich auch nicht, dass Corning Gorilla Glas verbaut ist. Das müsste man nicht verschweigen. Daher lasse ich auch die Displayschutzfolie entgegen meiner Gewohnheit dort wo sie ist.

Die Navigationsbuttons befinden sich nicht, wie bei einigen anderen Geräten, im Display, sondern sind darunter angebracht.So bekommt man mehr Displayfläche. Leider fehlt eine Beleuchtung, was die Bedienung im Dunkeln erschwert.Der Hersteller wirbt mit einem 2,5D Curved-Design, dass man aber nicht mit dem des Samsung Galaxy Edge vergleichen darf. Tatsächlich sind die Glasflächen am Rand leicht abgeschrägt. Deswegen auch die Bezeichnung 2,5D. Das Display selbst befindet sich jedoch außerhalb des abgeschrägten Bereichs. Beim Galaxy Edge ist auch das Display selbst abgeschrägt, wodurch man hier von einem 3D Curved-Design sprechen kann. Es geht also bei 2,5D mehr in Richtung Marketing. Dennoch liegt ein Smartphone mit abgeschrägtem Display besser in der Hand und sieht auf jeden Fall auch besser aus, als eines mit herkömmlichen 2D-Display.

Die Tasten zur Lautstärkeregelung und der Power-Button befinden sich allesamt links oben an der Seite und besitzen einen sehr guten und präzisen Druckpunkt. Die Position auf der linken Seite ist jedoch ungewöhnlich und ungünstig, da diese bei den meisten Geräten rechts angeordnet sind. Das gefällt mir weniger gut und braucht etwas Zeit zur Umgewöhnung. Die Kamera steht etwas aus dem Gehäuse heraus. Liegt das Smartphone auf der Rückseite, besteht so Gefahr, dass das Kameraglas zerkratzt.

An der rechten Seite befindet sich der Einschub für die SIM-Karte(n) (Nano-Sim/micro-SIM) und eine microSD-Karte.

Der aus Metall bestehende Einschub wird wie bei einem iPhone mit dem Hilfswerkzeug oder einer Bürokammer durch Drücken in die kleine Öffnung nach draußen befördert. Dann sieht man aber auch gleich den Nachteil der Konstruktion: Nutzt man 2 SIM-Karten ist kein Platz mehr für eine microSD-Karte. Zudem werden 2 unterschiedliche Kartenformate unterstützt, von denen jeweils nur eine Karte verwendbar ist. Man kann also eine nano-SIM und/oder eine micro-SIM nutzen. Das hat für viele Nutzer den Vorteil, dass man die bestehende Karte in den meisten Fällen weiter verwenden kann. Es ist aber nicht möglich, zwei Karten gleichen Typs im Dual-SIM-Betrieb zu nutzen. Zudem ist bei Verwendung einer microSD-Karte der Betrieb mit einer nano-SIM nicht möglich!

Oberhalb des Displays befindet sich eine Benachrichtigungs-LED, die über entgangene Anrufe oder Nachrichten informiert. Sie leuchtet bei mir nur in grün und lässt sich auch nicht konfigurieren.

Insgesamt macht das Oukitel U20 Plus einen guten optischen Eindruck mit einigen Abstrichen in der Verarbeitungsqualität. Gewicht und Abmessungen hätten jedoch durchaus geringer ausfallen dürfen.

Displayqualität

Die Auflösung von 1920 X 1080 Pixel ist auf dem ersten Blick nicht viel, da die meisten Smartphones schon eine Mindestauflösung von 2560 X 1440 Pixel besitzen.

Die Frage ist, ob man das wirklich erkennt und braucht. Tatsächlich befinden sich manche Hersteller im Auflösungswahn, wie man es seinerzeit bei den Digitalkameras beobachten konnte. Fakt ist, dass menschliche Auge kann den Unterschied zwischen 300 PPI und 450 PPI bei normalen Betrachtungsabstand gar nicht erkennen. Mit 401 PPI liegt der Wert beim Oukitel U20 Plus deutlich über der Wahrnehmungsgrenze. Im Vergleich zu meinen Smartphones mit 1280 x 720 Bildpunkten Auflösung ist das Display hier deutlich schärfer und es sind absolut keine Pixel zu erkennen, auch bei geringem Betrachtungsabstand. Ein zu scharfes Display bringt eher viele Nachteile mit sich: Die Geräte werden teurer, die Akkus stärker belastet und man benötigt leistungsfähigere Prozessoren und Grafikeinheiten. Die maximale Helligkeit ist recht hoch und man kann das Display bei Sonneneinstrahlung noch sehr gut ablesen. Eine technische Angabe dazu konnte ich jedoch nicht finden.

Die Blinkwinkelstabilität ist IPS-typisch sehr gut, so dass auch bei seitlichem Blick der Kontrast und die Helligkeit kaum darunter leiden. Ob man das als Vorteil sehen kann, sei mal dahin gestellt. So hat natürlich auch der Sitznachbar im Bus uneingeschränkte Sicht auf meinen Bildschirm. Meine visuelle Beurteilung von Schwarzwert und Kontrastverhältnis kommt zu einem hervorragendem Ergebnis. Das macht sich besonders beim Betrachten von Filmen und Bildern positiv bemerkbar und ist vermutlich auch der Grund für die gute Ablesbarkeit im Sonnenlicht. Farben werden sehr naturgetreu wieder gegeben.

Einrichtung und Bedienung – Einfach oder kompliziert?

Nach dem Einschalten und eingeben der PIN sieht die Oberfläche noch recht leer aus. Die von anderen Herstellern bekannte Bloatware findet man hier nicht. Es sind wirklich nur die zum Betrieb zwingend notwendigen Anwendungen installiert. Wer seine Daten bereits vorab über Google synchronisiert hat, sollte keine Probleme haben, denn nach Konfiguration des Google-Kontos, werden alle Apps des zuvor genutzten Smartphones automatisch installiert.

Wer sich wundert, wieso nicht die gewohnten Icons der Apps angezeigt werden,sollte Google Now aus dem Play Store installieren, da Oukitel einen eigenen Launcher mit anderen Symbolen verwendet.Die neuste WhatsApp-Version nutzt glücklicherweise die Google Cloud zur Datensicherung. Eine Sicherung vom alten Smartphone, kann so einfach wieder hergestellt werden. Da ich dort auch meine Kontakte hinterlegt habe, war so die Rücksicherung aller persönlichen Daten in kürzester Zeit erledigt.

Die Bedienung als solches funktioniert einwandfrei. Der 5-Punkt-Touchscreen reagiert bis in die Ecken sehr zuverlässig und präzise. Als Schnell- und Vielschreiber komme ich sehr gut damit zurecht. Die Navigation durch die Oberfläche gelingt absolut flüssig und schnell, trotz vieler, noch später installierter Apps. Meine Empfehlung zur Eingabe ist die Google-Tastatur: Dank Swype schont man die Daumengelenke und die Erkennung funktioniert zuverlässig und ruckelfrei.

Leider ist bei mir als deutsche Sprachausprägung nur Österreich und Schweiz vorhanden. Deutschland fehlt. Bezüglich Tastatur und Menüs fällt das nicht groß auf, aber im Detail dann schon, wenn man sich wundert, wieso der Januar plötzlich „Jänner“ heißt. Ein OTA Update liegt dazu bisher nicht vor.

Obwohl das Oukitel U20 Plus durch das 5,5″-Display recht groß ist, liegt es gut in der Hand. Die einhändige Bedienung ist aber nur eingeschränkt möglich.

Features und Funktionen – Was macht das Oukitel U20 Plus aus?

Da wäre erst einmal der Fingerabdrucksensor zu nennen. Er kann bis zu 5 Vergleichsabdrücke aufzeichnen, erkennt Fingerabdrücke über 360° in deutlich untern einer Sekunde.Das ‚Anlernen‘ dauert etwas, da man den Sensor dazu mehrfach in verschiedenen Positionen antippen muss, bis der komplette Abdruck erfasst ist. Etwas Unsicherheit bleibt, ob nicht doch andere Zugriff auf meinen Fingerabdruck bekommen. Die Bequemlichkeit, die dadurch erreicht wird, ist aber enorm. Ein kurzer Fingertipp auf den rückseitigen Sensor reicht aus, um den Bildschirm zu entsperren. Das dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. Falls der Finger mal verletzt sein sollte, ist das kein Problem. Dann kann man den Bildschirm auf herkömmliche Weise mit PIN oder Muster entsperren. Wie man in meinem Video sieht, reagiert der Sensor zuverlässig und schnell. Bei frostigen Temperaturen gab es zeitweise Probleme mit der Erkennung. Ich nutze den Sensor regelmäßig mit dem linken Zeigefinger und habe damit keine Probleme, obwohl ich sogar mit rauhen Fingern zu kämpfen habe.

Die Dualkamera nenne ich bewusst an zweiter Stelle, da sie mich nicht überzeugt hat. Sie stellt den Hintergrund vor einem Motiv etwas unscharf dar, wie bei der bekannten Freistellung in der Profifotografie. Der Bereich ist aber kreisförmig und so sehen die damit erstellten Bilder nicht wirklich toll aus.

Apps – Alles dabei ? Ja und Nein

Es sind kaum Apps vorhanden. Bloatware ist für das Oukitel U20 Plus ein Fremdwort. Die wenigen, vorinstallierten Apps kann man an einer Hand aufzählen. Die eine ist die FM-App, ein recht empfindlicher Radioempfänger, der nur bei angeschlossenem Kopfhörer funktioniert. Gerade diejenigen, die PrePaid-Karten nutzen, könnten davon profitieren, da das Oukitel U20 Plus einen FM-Empfänger verbaut hat. Samsung verzichtet seit geraumer Zeit darauf. Das fand ich sehr schade. Umso mehr freut mich, dass man dieses Feature implementiert hat, um auch im Offline-Modus und bei fehlender Datenverbindung Radio hören zu können.

Zusätzlich bringt Oukitel einen eigenen Launcher mit. Den kann man aber durch Installation von Google Now im Play Store ersetzen und findet so wieder die gewohnten Icons vor.

Konnektivität – Daten rein und raus

Ein LTE-Benchmark in meinem Netz (Raum Darmstadt-Dieburg) zeigte gute Werte bis zu 20 Mbit/s.Nettodatenrate im Download und 7,4 Mbit/s im Upload.Das kann auch mein bisherigen Smartphone nicht überbieten und stellt mich mehr als zufrieden. Die Empfangsqualität ist sehr gut. Ich fahre jeden Morgen den gleichen Weg zur Arbeit und hatte schon alle möglichen Smartphones bis hin zum iPhone 6 (leihweise) dabei. Dabei ergaben sich im Vergleich keine Schwächen und Stärken des Oukitel U20 Plus. Es bringt durchgehend gute LTE-Konnektivität und scheitert auch an denselben Funklöchern, wie seine Kontrahenten.

Zu Hause im WLAN bin ich ebenfalls zufrieden. Die Feldstärke ist ähnlich wie die meiner anderen mobilen Geräte, die ich zu Hause nutze. Verbindungsabbrüche sind selten und bei guter Empfangsstärke gar nicht vorhanden. Die Übertragungsrate habe ich jetzt nicht nachgemessen, liegt aber gefühlt nicht hinter der meiner bisherigen Geräte wie Smartphones, Tablets oder Notebooks zurück.

In einigen Testberichten wurde über eine extrem schlechte Übertragungsqualität berichtet. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Selbst über eine Etage mit Betondecke wurden die mehr als 1200 MB an Daten für Asphalt 8 in wenigen Minuten per WLAN geladen.

Bluetooth funktioniert zuverlässig, allerdings ohne NFC.

Bitte lächeln – Kameraqualität – Bild und Video

Die Kameraqualität kam bei einigen der ersten Tests nicht so gut weg. Das kann ich wiederum bestätigen. Ich bin mit der Qualität der Aufnahmen weniger zufrieden. Wirklich gute und scharfe Aufnahmen bekommt man nur bei sehr viel Licht. Sobald es etwas dunkler wird, sind die Bilder sehr stark verrauscht, egal ob mit oder ohne Blitz. Die Dualkamera bringt nicht wirklich einen echten Mehrwert und ist maximal als nettes Gimmick zu bezeichnen. Die Rückkamera besitzt eine Auflösung von 13 MP, die Frontkamera eine Auflösung von 5 MP. Die Frontkamera reicht zur Videotelefonie aus, bei Selfies muss man starke Abstriche in der Qualität hinnehmen. Hier leisten nicht nur die alten Modelle der Markenhersteller wie Apple oder Samsung deutlich mehr, sondern auch meine anderen Billigsmartphones aus Fernost!

Der Blitz ist ausreichend hell. Nutzt man die Taschenlampenfunktion, kann man damit einen kompletten Raum aufhellen. Videos werden in FullHD aufgenommen. Die Qualität der Aufnahmen ist gut, mehr aber auch nicht.

Insgesamt sind die beiden Kameras für ein Smartphone in dieser Preisklasse gerade noch akzeptabel, sofern die Lichtverhältnisse sehr gut sind.

Sound- und Sprachqualität – Kinosound oder Blechbüchse?

Hier habe ich nicht viel erwartet und wurde angenehm überrascht. Musik klingt relativ gut und sogar etwas bassbetont. Deutlich besser, als bei meinen teureren Smartphones aus China. Auch bei Spielen ist der Sound gut. Wem das trotzdem nicht reicht, bekommt mit zusätzlichen Kopfhörern oder externen Boxen deutlich mehr Klangqualität geboten.Die Sprachqualität beim Telefonieren ist als akzeptabel zu bezeichnen. Man versteht seinen Gesprächspartner und wird von diesem ebenfalls verstanden. Hier merkt man aber doch den Unterschied zu höherpreisigen Geräten.

Akkukapazität – Wann ist die Luft raus ?

Der Akku soll eine Kapazität von 3300 mAh besitzen. Eine Herstellerangabe zur Nutzungsdauer konnte ich nicht finden. Das ist auch besser so, denn die Nutzungsdauer hängt stark von den eigenen Gewohnheiten ab. Wer nur telefoniert und sonst das Smartphone kaum benutzt und im Offline-Modus hält, kann sicher einige Tage mit einer Ladung auskommen. Tatsächlich hält der Akku bei mir gut bis zu 1 Tag. Dabei nutze ich es relativ häufig zum Schreiben von Mails und Nachrichten, spiele das ein oder andere Spiel und surfe im Netz. Das summiert sich auf circa 3 bis 4 Stunden täglich, so dass ich annehme, dass bis zu 5 oder 6 Stunden Dauernutzung mit einer Akkuladung möglich sind.

Mit einem Ladestrom von 1 A benötigt der Akku etwa 3 ½ Stunden bis zur vollständigen Aufladung. Nutzt man das Gerät gar nicht, bleibt es etwa 2 ½ Tage eingeschaltet, was dann auch der Standby-Zeit entspricht.

Das Oukitel U20 Plus im Alltag

Nach 2 Wochen, denke ich, so ziemlich alles was möglich ist, ausprobiert zu haben. Ich habe es einige Male zur Navigation mit dem Auto und Fahrrad genutzt. Hier fiel mir auf, das die Genauigkeit manchmal etwas zu wünschen übrig lässt und es sogar ein Mal zu einem Abbruch kam. Manchmal wurde die Position um einige Meter falsch angezeigt. Es reicht aber noch locker aus, um es als mobiles Navigationsgerät zu nutzen. Im Stadion hatte ich zahlreiche Fotos unter allen Lichtbedingungen gemacht, auch Videos mit viel Bewegung. Durch die etwas lange Auslöseverzögerung gelingen die Bilder nicht immer beim ersten Versuch. Beim Surfen auf dem Weg zur Arbeit in Bus und Bahn, konnte ich die Akkuleistung und Datendienste recht gut testen, da ich ein 5 GB Freivolumen besitze. Zudem nutze ich beruflich sehr viel den mobilen WLAN Hotspot, um mit dem Notebook auf meine Mails zugreifen zu können. Auch das klappt zuverlässig und ohne Probleme. Obwohl das Oukitel U20 Plus groß ist, passt es durch seine flache Bauweise auch gut in die Hosentasche. In die Gesäßtasche würde ich es nicht unbedingt stecken. Ich kann mir vorstellen, dass es sich da beim Hinsetzen zu stark durchbiegt und Schaden nehmen könnte. Insgesamt hat sich das Oukitel U20 Plus bei mir im Alltag als zuverlässiger Begleiter bewährt.

Fazit – Kaufen oder nicht kaufen ?

Hier habe ich einfach mal kurz die Pros und Kontras aufgeführt:

+Für den Preis akzeptable Verarbeitung
+Sehr hochwertiges, blickwinkelstabiles Display in FullHD Auflösung
+Gut funktionierender Fingerabdrucksensor
+Sehr gute Reaktionszeit und flüssige Bedienung
+FM Radio
+Alle deutschen LTE-Bänder enthalten
+Gut klingender Lautsprecher

OUKITEL U20 Plus - 5,5 Zoll IPS Bildschirm 1,5 GHz Quadkern 13MP Doppelobjektivkamera 2GB RAM 16GB Android 6.0 4G Smartphone Fingerabdruck-Sensor 3300mAh - Grau
Preis: EUR 119,99
1 neu von EUR 119,990 gebraucht

-Schlechte Kameraqualität
-Nur deutsche Sprache in Ausprägung „Österreich“ und „Schweiz“ verfügbar
-Mit microSD-Karte keine Dual-SIM-Funktion
-GPS Genauigkeit
-Hohes Gewicht

Hier gilt es also abzuwägen: Man bekommt mit dem Oukitel U20 Plus für etwa 120 EUR (Import schon ab 90 EUR mit entsprechenden Risiko) ein hochwertig verarbeitetes Smartphone mit einem sehr guten Display und einem sehr guten, präzise ansprechenden Touchscreen. Der Fingerabdrucksensor ist auf jeden Fall für mich ein großes Plus, da er schnell und zuverlässig reagiert. Der hardwareseitig verbaute FM-Empfänger funktioniert auch in Funklöchern, im Gegensatz zu diversen Streaming-Apps, die teilweise mit Werbung vollgestopft sind. Aufgrund der Unterstützung des 800 Mhz LTE-Bands, ist auch die schnelle Datenübertragung in weniger gut versorgten Gebieten kein Problem. Daneben überzeugt mich auch die Klangqualität, die deutlich besser ist, als es der Preis erwarten lässt.

Die Kameraqualität überzeugt mich weniger und auch die GPS Genauigkeit und Zuverlässigkeit besitzen Verbesserungspotential. Wer 2 SIM-Karten nutzen möchte, muss mit dem geringen internen Arbeitsspeicher von 16 GB auskommen, wovon nur 9 GB zur Verfügung stehen.

Für wen ist das Oukitel U20 Plus nun geeignet?

Wer nicht viel Geld zur Verfügung hat, ein gutes Smartphone für den Alltag mit einem hochwertigen FullHD-Display sucht, sollte das Oukitel U20 Plus auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen. Dabei sollte der Fokus nicht auf Spieletauglichkeit oder hoher Kameraqualität liegen. In Relation zum Preis ist das Oukitel U20 Plus sicher ein guter Kauf, sofern man mit den Einschränkungen leben kann.

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